"News" stand 2014 vor Einstellung, sagt Chefredakteurin

4. Juli 2015, 07:47
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Erkenntnisse vom "Netzwerk Recherche" in Hamburg über "Lügenpresse", Internet und Qualitätsjournalismus

Hamburg/Wien – Wenn das deutsche "Netzwerk Recherche" tagt, wie derzeit in Hamburg, sind Erkenntnisse definitionsgemäß zu erwarten. Diesmal darunter auch ein paar Kleinigkeiten über Österreich, seine Medien und seine Macher.

Zum Beispiel die Offenheit, mit der "News"-Chefredakteurin Eva Weissenberger in Hamburg über die Lage des Wochenmagazins vor ihrem Dienstantritt im Februar dieses Jahres sprach: "News", so sagt Weissenberger in Hamburg, stand kurz vor der Einstellung, als sie es übernahm.

Weissenberger war zur Jahreskonferenz des Netzwerks ins Panel "Qualitätsjournalismus" (mit Anführungszeichen) geladen, Untertitel: Floskel oder Versprechen?

Diskussionspartner Volker Lilienthal, Professor für die Praxis des Qualitätsjournalismus an der Universität Hamburg, schaute denn auch gleich aus den Räumlichkeiten des Norddeutschen Rundfunks Richtung Österreich. Lilienthal verwies auf die Aussagen von Moserholding-Chef Hermann Petz im STANDARD-Interview über sein Buch "Die Zeitung ist tot? Es lebe die Zeitung!"

Petz zeigt sich in Interview und Buch überzeugt, dass es "Qualitätsjournalismus nur in Verbindung mit Print gibt". In Onlinemedien wäre er nicht refinanzierbar.

Lilienthal teilt Petz' Definition von Qualitätsjournalismus übrigens nicht. Qualitätsjournalismus sei der Gegenbegriff zu Lügenpresse. Dem Kampfbegriff von Pegida, FPÖ und Co. widmeten sich am Freitag Impulsreferat und Auftaktpanel der Jahreskonferenz.

Zeit für Qualität

Wie Qualitätsjournalismus gehen könnte, skizzierte FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube am Beispiel Pisa-Studie. Man könnte doch, anstatt gleich zu veröffentlichen, der Journalistin Zeit geben, die 500-Seiten-Studie zu lesen, und erst nach ein paar Tagen eine Geschichte veröffentlichen, die über die Pressekonferenz hinausgeht. Auch das könne ein Merkmal von Qualitätsjournalismus sein.

Dem Panel – etwa mit "Süddeutsche"-Aufdeckerlegende Hans Leyendecker und "Freitag"-Heraugeber Jakob Augstein – verdankt die Medienwelt noch ein lesenswertes Zitat: "Mich berührt das Netz überhaupt nicht", sagte Leyendecker da zu Userkommentaren und Leser-Mails. (red, 3.7.2015)

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