Einzeller hat eine Art Linsenauge entwickelt

5. Juli 2015, 18:23
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Kanadische Forscher stoßen auf einen bemerkenswerten Fall von konvergenter Evolution

Vancouver – Dass zwei im evolutionären Stammbaum so weit voneinander entfernte Zweige des Lebens wie Wirbeltiere und Kopffüßer Linsenaugen entwickelt haben, die einander erstaunlich stark ähneln, gilt als Paradebeispiel für konvergente Evolution.

Von einem noch verblüffenderen Fall berichten nun Forscher der kanadischen University of British Columbia in "Nature": Sie haben bei einem Warnowiiden aus dem Nordpazifik eine lichtempfindliche Struktur entdeckt, deren Einzelbestandteile den Merkmalen von Linse, Hornhaut, Iris und Netzhaut zu entsprechen scheinen. Das Erstaunliche daran: Warnowiiden sind nicht einmal Tiere, sondern Dinoflagellaten.

Mikroskopisch kleine Jäger

Und es sind Einzeller, weshalb hier auch nicht von einem lichtempfindlichen "Organ" gesprochen werden darf. Umso mehr erstaunt die Forscher um Greg Gavelis, wie komplex dieses aus verschiedenen Organellen zusammensetzte "Ocelloid" ist. Bei der Entdeckung hatte man deswegen zunächst angenommen, ein Warnowiide hätte das Auge eines kleinen vielzelligen Tiers gefressen.

Wie und wofür genau diese winzigen Organismen, die zum Plankton zählen, ihr Quasi-Auge einsetzen, ist noch nicht ganz geklärt. Warnowiiden machen mit harpunenartigen Strukturen Jagd auf andere Einzeller. Möglicherweise hilft ihnen das Ocelloid dabei, Lichtveränderungen wahrzunehmen, wenn einfallendes Sonnenlicht den transparenten Körper eines Beutewesens passiert. (red, 5. 7. 2015)

  • Das Transmissionselektronenmikroskop zeigt eine Struktur, die wie ein Linsenauge aussieht und doch nur Teil einer einzigen Zelle ist.
    foto: brian leander und greg gavelis

    Das Transmissionselektronenmikroskop zeigt eine Struktur, die wie ein Linsenauge aussieht und doch nur Teil einer einzigen Zelle ist.

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