Urteile im Alijew-Prozess für kommenden Freitag geplant

3. Juli 2015, 18:42
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"Presse"-Bericht: Staatsanwaltschaft friert wegen Verdachts auf Datenmissbrauch Gelder von Witwe ein

Astana/Wien – Sofern nichts Unvorhergesehenes passiert, wird am kommenden Freitag im Wiener Straflandesgericht der Prozess um die Entführung und Ermordung der kasachischen Banker Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov in erster Instanz abgeschlossen. Zuvor stehen am Mittwoch die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und den Privatbeteiligten-Vertretern am Programm.

Allerdings ist offenbar auch die Witwe Alijews mittlerweile ins Visier der Ermittlungen geraten. Laut einem Bericht der Presse (Samstagsausgabe) hat die Staatsanwaltschaft Wien angeordnet, wegen des Verdachts des Datenmissbrauchs Gelder einer Firma der Frau in Höhe von rund 400.000 Euro einzufrieren.

Bestätigung der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitagabend gegenüber der APA, dass es eine Anordnung zur Sicherstellung der Summe gebe. Es liege der Verdacht der Datenbeschädigung sowie der Verdacht der Datenverwendung in Gewinn- oder Schädigungsabsicht vor, so eine Sprecherin. Laut "Presse" geht es um Geld einer Firma der Frau, das im Juni nach Luxemburg an einen EDV-Spezialisten fließen sollte. Die Witwe Alijews soll unter Verdacht stehen, den EDV-Experten zu einer Datenweitergabe angestiftet zu haben.

Hintergrund ist laut "Presse" der erbitterte Anwaltsstreit in der Causa. So soll der EDV-Spezialist einst für die Gegenseite, also die Witwen der mutmaßlichen Alijew-Opfer bzw. für deren Rechtsvertretung, die Wiener Anwaltskanzlei Lansky, Ganzger und Partner (LGP) tätig gewesen sein. Die Zusammenarbeit soll jedoch im Streit beendet worden sein.

Anwalt weist Vorwurf zurück

Laut Rechnung sollten mit dem nun eingefrorenen Geld Serviceleistungen einer Datenanalyse-Firma sowie Lizenzgebühren für eine Anti-Geldwäsche-Software bezahlt werden. Der Anwalt der Witwe wies gegenüber der "Presse" die Vorwürfe zurück. "Die Anzeige steht im Zusammenhang mit der unerbittlichen Jagd Kasachstans auf die Familie Alijew", wird Klaus Ainedter zitiert.

In dem Verfahren müssen sich seit Mitte April der ehemalige Chef des kasachischen Geheimdiensts KNB, Alnur Mussayev, sowie mit Vadim Koshlyak der ehemalige Sicherheitsberater des früheren kasachischen Botschafters in Wien, Rachat Alijew, als mutmaßliche Beteiligungstäter vor Geschworenen verantworten. Alijew wäre als Hauptangeklagter im Zentrum der Vorwürfe der Anklage gestanden – er wurde jedoch am 24. Februar erhängt in seiner Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt aufgefunden. Auf Basis eines Gutachtens des Rechtsmedizinischen Instituts in St. Gallen sowie weiterer Sachverständigen-Expertisen geht die Justiz von Selbstmord aus. Eine offizielle Todesursache liegt aber noch nicht vor. Für die verbliebenen Angeklagten geht es im Fall von Schuldsprüchen um zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft. (APA, 3.7.2015)

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