Nationalbank will bis 2020 knapp 100 Millionen einsparen

3. Juli 2015, 14:48
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Pensionierungswelle in den kommenden Jahren – Eine von zehn Hauptabteilungen wurde bereits geschlossen

Wien – Im Zuge ihres Sparprogramms wird die Nationalbank ihren Personalstand bis zum Jahr 2020 um 93 auf 1.059 Mitarbeiter reduzieren, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny am Freitag. Weiters will die Notenbank bis Ende 2018 ihre Zweigstellen in Graz und Linz sowie die Repräsentanz in New York schließen.

In Österreich wird es somit, abgesehen von der Zentrale am Wiener Otto-Wagner-Platz, nur noch eine Nationalbankfiliale in Innsbruck geben. "Im Ausland werden wir nur mehr ein Büro in Brüssel haben", so Nowotny. Paris und London sind bereits vor Jahren geschlossen worden.

Puncto Mitarbeiterabbau will sich die Notenbank die "erhebliche Pensionierungswelle" in den kommenden Jahren zunutze machen und so 127 freiwerdende Stellen nicht nachbesetzen. Gleichzeitig werden 34 neue Mitarbeiter aufgenommen, die unter anderem für die Bankenabwicklung und die gemeinsame europäische Bankenaufsicht SSM zuständig sein werden. Ende 2014 beschäftigte die Notenbank 1.152 Mitarbeiter.

Eine Hauptabteilung aufgelassen

Bereits aufgelassen hat die Nationalbank mit Anfang März eine von zehn Hauptabteilungen (Interne Dienste, Planung und Controlling). Der Direktor, der sie geleitet hat, ist in Pension gegangen, die Aufgaben, etwa die Rechtsabteilung oder der Einkauf, übernehmen andere Abteilungen. Die Nationalbank ist in vier Ressorts aufgeteilt, unter diesen sind die Hauptabteilungen angesiedelt.

Die Notenbank hatte bis Ende Juni ein Jahr lang Berater von Roland Berger im Haus, die eine "Optimierungsanalyse" (Opal) durchgeführt haben. Wieviel das ganze gekostet hat, verriet Nowotny nicht.

Wie sich das ganze auf das Ergebnis der Notenbank 2015 auswirken wird, sei schwer vorauszusagen. Das OeNB-Ergebnis hänge stark an der Entwicklung der Wechselkurse, ein größerer Teil der Veranlagungen sei in Dollar. "Ich würde mich nicht trauen, jetzt eine Prognose zu machen. Den Sachaufwand halten wir schon dreimal mehr oder weniger konstant", so der Nationalbankchef.

Sondereffekte

2014 hatte die Notenbank ihr Ergebnis von 298 Mio. auf 341 Mio. Euro gesteigert, wovon der Bund als Eigentümer 315 Mio. Euro bekam. "Wir hatten auch Sondereffekte aus Verkäufen", so Nowotny. Die Notenbank stieß einerseits Immobilien ab, andererseits trat die Tochter Münze Österreich ihren Anteil an den Casinos Austria an die Staatsholding ÖBIB ab.

Das niedrige Zinsniveau habe sich im Vorjahr noch nicht so stark ausgewirkt, sagte Nowotny. Das Nettozinsergebnis hatte um 7 Prozent auf 778 Mio. Euro nachgegeben. Die Zinsen aus Veranlagungen machen einen wesentlichen Teil der Einnahmen der Notenbank aus.

Die viel kritisierten Privilegien der Notenbanker – günstige Wohnungen, Tennisplatz, Dienstwagen – waren nicht Teil von "Opal".

Dennoch dürfte das Sport- und Seminarzentrum der Notenbank in Langenzersdorf verkleinert werden. "Nächste Woche haben wir eine offizielle Aussprache mit dem Betriebsrat", so der OeNB-Chef bei einer Pressekonferenz. Es zeichne sich eine Lösung ab, wonach die Mitarbeiter den Sportplatz weiter nutzen können, die Notenbank aber weniger dafür zahlen müsse.

Der Verkauf der Bankwohnungen sei schon im Vorjahr eingeleitet worden und werde heuer abgeschlossen, sagte ein OeNB-Sprecher zur APA. Dienstwagen seien "kein Thema. Wir haben genau 6 Dienstwagen." Laut Nowotny ist die Notenbank gerade dabei, "den ganzen Komplex Sozialleistungen" einer "großen Revision" zu unterziehen.

Die "Optimierungsanalyse" von Roland Berger zufolge soll die Notenbank ab 2020 26,4 Mio. Euro im Jahr einsparen. Bis dahin sollen es kumuliert 96 Mio. Euro an Einsparungen sein. (APA, 3.7.2015)

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