Magenkrebs: Langsame Verbesserung der Therapie

3. Juli 2015, 10:16
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Die Immuntherapie erzielt immer bessere Erfolge – ein großes Problem sind allerdings nach wie vor zu späte Diagnosen

Langsam verbessern sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Magenkrebs. Zielgerichtete Therapeutika und Immuntherapien können auch noch eine Wirkung haben, wenn diese aggressive Krebsform nach radikaler Operation wieder auftaucht oder die erste medikamentöse Therapie an Wirkung verliert, hieß es am Donnerstag beim Weltkongress zu gastro-enterologischen Krebserkrankungen in Barcelona.

Oft späte Diagnose

Weiterhin ist das Magenkarzinom – zu 90 Prozent sogenannte Adenokarzinome, die aus der Schleimhaut entstehen – ein großes Problem für die Medizin. Der überwiegende Teil der Erkrankungen wird erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Im Stadium III überleben nur 20 Prozent der Patienten fünf Jahre, im Stadium IV sind es weniger als fünf Prozent.

"Zwei Drittel der Diagnosen werden im fortgeschrittenen Stadium gestellt. Bei 60 Prozent der Erkrankten, die radikal operiert werden konnten, kommt es später zu einem Rückfall. Etwa ein Jahr ist bisher die Grenze für die durchschnittliche Lebenserwartung", sagte der italienische Experte Stefano Cascinu (Ancona). Ohne Therapie sterben die Patienten zumeist überhaupt bereits nach vier bis fünf Monaten.

In den USA wird die Diagnose Magenkarzinom jährlich bei rund 22.000 Menschen gestellt, in der EU bei rund 80.000 Personen. Helicobacter pylori-Infektionen, Rauchen, starker Konsum von geräuchertem Fleisch, Epstein-Barr-Virus-Infektionen und genetische Faktoren spielen eine Rolle beim Entstehen der Erkrankung. Sehr häufig ist Magenkrebs in Ostasien, zum Beispiel in Japan.

Zielgerichtete Therapie

In den vergangenen Jahren wurde versucht, die medikamentöse Behandlung durch die Kombination von Chemotherapie mit Mittel der sogenannten zielgerichteten Therapie zu verbessern. So zum Beispiel wurde zu den seit vielen Jahren verwendeten Zytostatika (5FU oder Capecitabine etc.) der monoklonale Antikörper Trastuzumab hinzugefügt. Das macht aber nur Sinn, wenn der einzelne Patient eine Tumorerkrankung aufweist, bei der die bösartigen Zellen an der Oberfläche vermehrt den HER2-Rezeptor für Wachstumsfaktoren ausbilden.

"Damit konnte man die durchschnittliche Lebenserwartung von Patienten von 11,8 auf 16 Monate erhöhen", sagt Cascinu. Das Problem: Nur 20 Prozent der Magenkarzinome weisen das HER2-Charakteristikum auf. Von denen wiederum profitieren nur 50 Prozent der Behandelten von dieser Therapie, so der Experte.

Deshalb läuft derzeit die Suche nach zusätzlichen Behandlungsstrategien. Eine Möglichkeit könnte der monoklonale Antikörper Pertuzumab bieten, der an einer anderen Stelle des HER2-Rezeptors bindet und die für den Wachstumsimpuls notwendige Kopplung dieses Rezeptors an HER1- und HER3-Andockstellen an der Oberfläche der bösartigen Zellen verhindert. Eine Alternative könnte auch die Verwendung von TDM1 sein. Dabei handelt es sich um Trastuzumab, an das auch noch ein Chemotherapeutikum gekoppelt ist.

Therapie wirkt nicht immer

Gerade beim Magenkarzinom zeigt sich in der Forschung der Medizin nach zusätzlichen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten ein klassisches Dilemma: Längst nicht alle Therapien, die eigentlich wirken sollen, zeigen bei der Erprobung dann auch wirklich einen Effekt.

Der spanische Onkologe Josep Tabernero (Barcelona), nächster Präsident der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO), stellte dies am Beispiel von Magenkrebs dar: "Bei 50 Prozent der Magenkarzinome ist der sogenannte mTOR-Signalweg verstärkt wirksam. Aber Studien mit Medikamenten wie Everolimus, die diesen Signalweg (zur Ankurbelung des Wachstums der Zellen; Anm.) hemmen, schlugen fehl."

Ähnlich war das auch bei einem zweiten Arzneimittel der zielgerichteten Therapie, Lapatinib. Bei bestimmten Patienten sollte es wirken, doch der Effekt blieb aus. "Wir wissen nicht, warum das so ist", sagte Onkologe Cascinu.

Möglicherweise könnten Mittel der neuen Immuntherapie eine Ergänzung darstellen. Monoklonale Antikörper, zum Beispiel Pembrolizumab, führen dazu, dass das Immunsystem des Patienten den Tumor als "fremd" erkennt und angreift. "50 Prozent der Patienten sprechen auf eine solche Therapie an", sagte Tabernero. Mit Arzneimitteln, die auf diesem Wirkprinzip aufbauen, könnten in Zukunft relativ breit einsetzbare Krebstherapeutika zur Verfügung stehen. Sie wirken über das Immunsystem quasi "natürlich" und ergänzend zur Chemotherapie. (APA, 3.7.2015)

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