Semper Constantia Privatbank ist an Übernahmen dran

1. Juli 2015, 15:19
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Auch an Valartis Österreich interessiert – Vorstände wollen sich in Kürze mit rund 20 Prozent an Semper Constantia beteiligen

Wien – Gut sechs Jahre, nachdem die einstige Constantia Bank aufgefangen und zerteilt werden musste, stellt sich die "Good Bank" – die Wiener Semper Constantia Privatbank – auf Expansion ein. Es werden Kaufobjekte geprüft. An einigen Deals war sie schon dran, einige werden aktuell geprüft. "Valartis Austria ist sicher in Thema, weil sie noch am Markt ist", bestätigt der Semper-Constantia-Vorstand.

Valartis Austria war einst die Anglo Irish Bank in Wien, sie gehört seit 2008 der Schweizer Valartis Gruppe. "Wir sind nicht die einzigen, die sich das anschauen", räumten die Semper-Constantia-Manager am Mittwoch vor Journalisten ein.

Semper Constantia wäre bereit, Kaufgelegenheiten wahrzunehmen, man sei vom den Haupteigentümern ausdrücklich dafür mandatiert, sagte der seit April amtierende Bankchef Bernhard Ramsauer. Interessant wären Zukäufe von Banken oder Teilen von Depotbanken, Kapitalanlagegesellschaften und Privatvermögensverwaltern. Ob es heuer noch zu einem Deal kommt, ist offen. Keine Akquisition sei derart nahe. Ramsauer wolle es aber nicht ausschließen. Oft gehe so etwas sehr schnell.

Volle Kasse

Die Kriegskasse sei gefüllt, der Rückhalt der Hauptaktionäre da. Die Signale im Markt stünden klar auf Konsolidierung. Einige könnten wegen unterkritischer Größe dem Wettbewerb nicht standhalten, fast im Monatsrhythmus schlugen Banken Veranlagungstöchter los. Semper Constantia habe die Ressourcen, solche Teile zu integrieren. "Wir sind aber nicht verdammt zu Zukäufen", fügte Ramsauer hinzu. Man könne sehr gut auch weiter organisch wachsen. Die Bank sei gut aufgestellt. 2014 schrieb sie unterm Strich 4,6 Mio. Euro Jahresgewinn.

Seit Anfang 2013 bis heute habe die Bank ihr verwaltetes Vermögen um 36 Prozent gesteigert, Ende 2014 waren es 10,7 Mrd. Euro. 2014 kamen brutto rund 1,5 Mrd. Euro an Neuakquisitionsvermögen dazu. Eine solche Summe soll auch heuer dazukommen. Zur Zeit stammen 80 Prozent der Assets von institutionellen Anlegern, 20 Prozent von Privaten. Da rechnet sich das 15 bis 20 Prozent an jährlichem Zuwachspotenzial aus. Zum Teil herrscht Verdrängungswettbewerb, es werde aber weiter ständig neues Vermögen kreiert.

Zur Zeit beschäftigt die Bank 130 Leute, Ende 2016 sollen es 150 sein. Im Ausland werden derzeit keine Mitarbeiter beschäftigt, Wachstum ist aber auch in den Nachbarländern geplant. Ausländische Kunden machten deutlich weniger als 10 Prozent des Kundenstocks aus. Der einzige relevante Markt nach Österreich sei immer noch Deutschland. Interessantes Potential sieht die Privatbank gerade in Wien in der russischen Community.

Die Bank betreibe On-shore-Geschäft in Österreich, habe auch keine Firmen in Steuerparadiesen. "Ich sehe keinen Bedarf, in Steueroasen zu gehen, ich wüsste auch gar nicht, welche Kunden wir dort begleiten sollten", sagte Ramsauer. Banken, die auf Steueroasen setzten, setzten auf ein falsches Pferd, sagt der Semper-Constantia-Vorstand. "Ein Auslaufmodell". offshore-Banking sei tot.

Haupteigentümer der Semper Constantia Privatbank AG sind der Industrielle Hans Peter Haselsteiner (70 Prozent) sowie der Sanierer Erhard Grossnigg und der Vorarlberger Fruchtsaftunternehmer Roman Rauch mit je 10 Prozent, wie im Jahresbericht per Ende 2014 stand. Die Anteile fürs Management kommen von den bisherigen Aktionären. (APA, 1.7.2015)

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