Die fantastischen Vier und Armstrongs Schatten

2. Juli 2015, 17:40
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Vincenzo Nibali will den Titel verteidigen, Giro-Sieger Alberto Contador ist auf das seltene Double aus. Auch mit Christopher Froome und Nairo Quintana ist zu rechnen. Doch der Auftakt zur 102. Tour de France wird von Lance Armstrongs "Rückkehr " überschattet

Utrecht – Der Bergfloh, der Double-Anwärter, der Titelverteidiger und der formstarke Ex-Champion: Das Rennen um das gelbe Trikot der 102. Tour de France wird zum Showdown der "fantastischen Vier". Die unterschiedlichen Stärken der Favoriten Nairo Quintana, Alberto Contador, Vincenzo Nibali und Christopher Froome gepaart mit dem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Kurs versprechen bis zum Ritt nach L'Alpe d'Huez am vorletzten Tour-Tag die spannendste Entscheidung der vergangenen Jahre.

Armstrong bei Charity-Rennen

Der Tour-Auftakt am Samstag in Utrecht in den Niederlanden wird von der Meldung überschattet, dass Lance Armstrong der Tour, nun ja, die Ehre geben wird. Der frühere Seriensieger, Inbegriff von Lug und Trug im Profiradsport, kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der überführte Doper, dem all seine sieben Tour-Siege von 1999 bis 2005 aberkannt wurden, beteiligt sich am 17. und 18. Juli auf Initiative des britischen Ex-Fußballprofis Geoff Thomas an einem Charity-Rennen zugunsten Leukämiekranker. Jeweils einen Tag vor den Profis fährt Armstrong mit zahlreichen Hobbyradlern die Strecke der 13. und 14. Etappe nach Rodez und Mende im Zentralmassiv.

"Respektlos und völlig unangemessen", findet Weltverbandspräsident Brian Cookson den Auftritt Armstrongs. Die meisten Radrennfahrer bleiben cool. "Wenn Bedürftigen geholfen wird, sollte man das unterstützen", sagt der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, erkennt aber, dass "dem Radsport damit kein Dienst erwiesen wird".

Nibali

Die Favoriten hielten sich mit Aussagen über Armstrong sowieso zurück, sie konzentrieren sich. Ausgerechnet Vorjahressieger Nibali scheint die schlechtesten Karten zu besitzen, das Selbstvertrauen des 30-Jährigen wirkt angekratzt. "Ich bin mir meiner Form für die Tour de France nicht sicher", sagt der "Hai von Messina". Und: "Es ist kein einfaches Jahr für mich." Als großes Plus könnten sich allerdings die Helfer seines Teams Astana erweisen. Die kasachische Equipe um den des Dopings überführten Teamchef Alexander Winokurow war zuletzt beim Giro d'Italia überaus dominant aufgetreten.

Froome

Der große Pechvogel des Vorjahrs war Christopher Froome, er stürzte und musste verletzt aussteigen. Nun peilt der 30-jährige Brite vom Team Sky seinen zweiten Tour-Sieg nach 2013 an. "Ich bin bereit", sagte Froome, der in Top-Form zum Prolog reist. Zuletzt gewann er den wichtigen Dauphiné-Härtetest. Ein Nachteil sind womöglich die wenigen Zeitfahrkilometer, im Kampf gegen die Uhr ist Froome der stärkste aller Favoriten.

Quintana

Von Vorteil ist die Streckenführung mit vielen Kilometern in den Bergen für den Kolumbianer Quintana. Der Bergfloh aus den Anden, bei seiner Tour-Premiere 2013 auf Anhieb Zweiter und Gewinner des gepunkteten Trikots, kann im Gebirge seine ganze Stärke ausspielen. Im Gegensatz zu seinen Rivalen verzichtete Quintana auf die Rennen in Europa und trainierte in der Heimat. "Die Zeit mit der Familie und Freunden gibt mir Stärke", sagt Quintana, der im Movistar-Team die volle Unterstützung genießt.

Double im Visier

Contador (Tinkoff-Saxo) peilt nach dem Triumph beim Giro das seltene Double an, das zuletzt 1998 dem Italiener Marco Pantani gelang. Die kurze Ruhephase von nur knapp fünf Wochen könnte dem Spanier allerdings zum Verhängnis werden. Zweifel will Contador aber nicht aufkommen lassen. "Wenn die Leute sagen, dass der Doppelsieg unmöglich ist, motiviert mich das nur umso mehr", sagt er.

Österreich ist durch die drei Tour-Debütanten Matthias Brändle (IAM), Marco Haller (Katjuscha) und Georg Preidler (Giant) vertreten. Der starke Zeitfahrer Brändle will im 13,8-km-Prolog am Samstag in Utrecht an der Spitze mitmischen. Gut möglich, dass da sogar die fantastischen Vier das Nachsehen haben. (sid, fri, 2.7.2015)

  • Am 26. Juli wird der Tour-Gesamtsieger geküsst. Vincenzo Nibali, ...
    foto: epa/daniel dal zennaro

    Am 26. Juli wird der Tour-Gesamtsieger geküsst. Vincenzo Nibali, ...

  • Nairo Quintana, ...
    foto: apa/ epa/luca zennaro

    Nairo Quintana, ...

  • Christopher Froome und ...
    foto: ap/ jean-christophe bott

    Christopher Froome und ...

  • Alberto Contador hegen Hoffnungen.
    foto: ap/daniel dal zennaro

    Alberto Contador hegen Hoffnungen.

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