Rudolf Simandl, einst roter Vorzeigemanager, wird angeklagt

Kopf des Tages2. Juli 2015, 18:01
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Der Manager, der anfing, den Schmeichlern auch zu glauben

Bis vor rund zweieinhalb Jahren galt Rudolf Simandl als Parademanager. Gerade in roter Hinsicht war er einer, der öffentliches Gut gut zu schupfen wusste. Dann kam der Plan, die von Rudolf Simandl geschupfte und vorangebrachte Begas – den burgenländischen Gasversorger im Mehrheitseigentum der versorgten Gemeinden – mit den Elektrischen von der Bewag (und der dort engagierten niederösterreichischen EVN) zu fusionieren. Und siehe da!

Seither gilt – gerade auch in roter Hinsicht – Rudolf Simandl als eine Art wirtschaftspolitischer Gottseibeiuns. Untreu – um dem seither umlaufenden Rumor die Ehre zu geben: sehr untreu – sei dieser Simandl gewesen. Der zu Jahresbeginn verstorbene "News"-Aufdecker Kurt Kuch, ein südburgenländischer Landsmann, hat sich diesbezüglich seine Finger wundgeschrieben. Aber klar: Auch Kurt Kuch konnte die Dinge bloß in der Raum stellen.

Nun ist, wie am Donnerstag bekannt wurde, endlich auch das Gericht am Zug. Die Anklage gegen den einstigen Begas-Generaldirektor und sechs Mitangeklagte ist fertig. Und der Raum, in dem diese Dinge – runde 3,3 Millionen Euro werden ihm angerechnet – stehen, soll aufgeräumt werden.

Dabei wird – ohne dem Strafverfahren wegen Untreue, schweren gewerbsmäßigen Betrugs, Veruntreuung und Geschenkannahme vorgreifen zu können oder gar zu wollen – wohl auch die mustergültige sozialdemokratische Sozialisation zur Sprache gebracht werden.

Simandl wurde 1950 als Kleinbauernsohn im südburgenländischen Kukmirn geboren. Buchstäblich aus eigener Kraft erarbeitete er sich via Hauptschule und Handelsakademie die Wirtschaftsuni. Kehrte zurück an die HAK nach Stegersbach als Lehrer, wechselte zu Wüstenrot, stieß 1995 in den Begas-Vorstand vor, wo er freilich längst noch nicht am Ziel war.

2001 übernahm er einen maroden Puten-Verarbeiter. Und das Erstaunliche: Er übernahm ihn vom wirtschaftspolitischen Arm des Landes, der Wibag. Die erlaubte dem Vater zweier Kinder ausdrücklich, den Sanierungsfall neben seinem Generaldirektorsjob zu schupfen. Quasi eine sozialdemokratische Heiligsprechung: Simandl kann alles. Nun ja: Das wird das Gericht zu entscheiden haben.

Kenner Simandls – Simandlologen gibt es mittlerweile reichlich – haben jedenfalls eine Vermutung. Er habe angefangen, solchen Schmeicheleien selber zu glauben. (Wolfgang Weisgram, 2.7.2015)

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