Libro sieht Trendwende, Pagro will ins Ausland

2. Juli 2015, 17:40
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Die Handelsketten von Josef Taus stellen sich neu auf und werden wieder profitabler. Bei der Ostexpansion sind Libro und Co nicht dabei

13 Jahre ist es her, dass Libro unter André Rettberg in Österreich eine spektakuläre Pleite hinlegte. Seit dem Einstieg von Josef Taus in die Handelskette fährt sie in ruhigen Gewässern. Der Industrielle und frühere VP-Obmann sanierte den Konzern, ergänzte ihn durch Pagro und deutsche Diskonter. Angesichts der Digitalisierung von Musik und Film wie der wachsenden Konkurrenz aus dem Internet drohte Libro zuletzt wieder ins Hintertreffen zu geraten. Nun jedoch sei, wie Taus überzeugt ist, die Trendumkehr gelungen.

Die 1400 Mitarbeiter schafften 2014/15 flächenbereinigt ein Umsatzplus von einem Prozent. Auch die Profitabilität sei gestiegen, sagt Martin Waldhäusl, Chef der Handelsgruppe. Gemeinsam mit den Vertriebslinien Pagro, Mäc Geiz und Pfennigpfeiffer habe Libro das höchste operative Ergebnis seit Bestehen der Gruppe erzielt.

Langsames Wachstum

"Im Einzelhandel wachsen die Bäume nicht in den Himmel." Mit einem Ebitda von 36 Millionen Euro – ein Plus von zwölf Prozent – drei Prozent Ebit-Marge und drei Prozent mehr Umsatz auf 624 Millionen sei man jedoch zufrieden. Klar ließe sich der Gewinn für das eine oder andere Jahr in der Bilanz noch höher schrauben. Aber hier gehe es um nichts Kurzfristiges.

Waldhäusl hat die Hälfte der 244 Libro-Standorte modernisiert. Das Sortiment wurde techniklastiger, orientiert sich mehr an der Schule und an Geschenken. Online belässt Waldhäusl bei Libro die Kirche im Dorf: Der Umsatz des Webshops entspreche derzeit nicht mehr als jenem dreier Filialen. "Klassische Retailer tun sich online schwer. Es ist eine andere Welt und ein langer Weg, bis man Anschluss findet."

Nicht nach Osten

Die Gruppe rund um Libro zählt zu den letzten großen Handelskonzernen, die nach wie vor in österreichischem Besitz sind. Vor allem im Zuge der Krise übernahmen zunehmend internationale Anbieter das Kommando. Taus tritt mit seiner MTH Retail Group gegen den Drogerieriesen Müller an, der das Kaufhaus wiederbelebt – und gegen rasant expandierende Billiganbieter wie Tedi. Der Non-Food-Markt habe es Private-Equity-Fonds angetan, sagt Waldhäusl. Diskonter breiteten sich hier derzeit mit viel Kapital und Professionalität aus.

Anders als Handelskollegen hat Taus der Osten als Expansionsziel nie gereizt. "Das hat nichts mit Nationalismus zu tun." In Österreich und Deutschland zu bleiben, habe schlicht vieles erleichtert. Zumal hierzulande auch die Kaufkraft immer noch doppelt so stark sei.

Deutschland-Expansion

Taus baut heuer die Billigkette Mäc Geiz stark in Deutschland aus – 20 neue Shops sind geplant. Mittelfristig will er dort auch mit Pagro reüssieren. Die Marke Pfennigpfeiffer könnte dafür in Pagro aufgehen. Beide Konzepte seien einander sehr ähnlich.

Neue Übernahmen hat Taus im Vorjahr zurückgestellt. Angetragen werde ihm aber immer wieder etwas, auch aus dem Osten. Realistischer als der Handel sei für ihn dort ein Zukauf für seine Industriesparte. (vk, 2.7.2015)

  • Josef Taus baut ein Firmennetz aus Handel und Industrie.
    foto: apa

    Josef Taus baut ein Firmennetz aus Handel und Industrie.

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