Schöttel: "Ich will eine kluge Mannschaft"

3. Juli 2015, 05:30
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Peter Schöttel ist ins Trainergeschäft zurückgekehrt. Bei Grödig möchte er Tritt fassen. Rapid hat er hinter sich gelassen. Der Fußball auf kleineren Bühnen übt auch eine Faszination aus

Grödig/Wien – Es ist nicht so, dass Peter Schöttel mit einer Zeitverschiebung oder einem Kulturschock zu kämpfen hat. In Grödig wird ähnlich gelebt und trainiert wie in Wien, die Speisekarten in den Restaurants unterscheiden sich in Nuancen, der Salzburger Dialekt ist selbst für einen Urwiener keine Fremdsprache. Schöttel musste aber 48 Jahre alt werden, um seinen Hafen zu verlassen. "Ich suche erstmals woanders eine Wohnung, ich fühle mich wie ein 19-Jähriger, das ist aufregend." Er sitzt im Reisebus, der die Spieler des SV Grödig vom Trainingslager in Windischgarsten heimbringt. "Kein Linienbus mit Stehplätzen, sondern ein richtiger Mannschaftsbus mit Sitzplätzen."

Schöttel ist zurück. Vor rund zwei Wochen wurde er als neuer Coach präsentiert. Der Kontakt mit Manager Christian Haas bestand seit Monaten. Als Schöttel in seiner Funktion als Sky-Experte im Goldberg-Stadion auf Besuch war, wurde über Gott, die Welt und den Fußball geplaudert. "Als es klar war, dass Michael Baur geht, war klar, dass ich den Job bekomme." Haas begründete die Entscheidung so: "Er ist ein Topmann für Grödig, kann mit jungen, hungrigen Spielern umgehen." Und Schöttel sagt, dass er Appetit auf Bundesligafußball habe. "Ich will Tritt fassen." Es gehe wirklich nicht ums Geld.

Entgeltliches Spazierengehen

Im April 2013 wurde der Ur-Rapidler von Rapid gefeuert und fürs Spazierengehen bezahlt. Das Scheitern bei seinem Lebensklub hat an ihm genagt, er ist in sich gegangen, hat die Geschehnisse reflektiert "und auch daraus gelernt. Aber ich bin der Schöttel geblieben." Er habe nicht gefürchtet, übrigzubleiben. Der Wunsch, wieder auf dem Platz zu stehen, wurde aber immer intensiver. "Ich habe gemerkt, ich will in dieser Phase meines Lebens ausschließlich Trainer sein. Ich will nicht hinter einem Schreibtisch sitzen."

Die kleineren Bühnen scheinen ihm zu liegen. Vor Rapid hatte er mit Wiener Neustadt Erfolge. "Vielleicht ist Grödig sogar noch kleiner. Das heißt aber nicht, dass mir große Bühnen schlecht stehen. Im ersten Jahr bei Rapid wurden wir Zweiter. Das wird halt vergessen." Entscheidend sei nicht wo, sondern wie man arbeitet. "Die Leidenschaft, der Spaß und der innere Druck sind überall gleich. Der Druck von außen ändert sich." Grödig ziehe die Massen natürlich nicht an, auch er, Schöttel, werde daran wenig ändern. "Es ist aber kein Unterschied, ob du hunderten oder tausenden Menschen eine Freude bereiten möchtest."

Leidenschaft

Das Gerede vom Dorfklub, den eigentlich niemand braucht, hält er für verzichtbar. "Der Verein hat sich sportlich und wirtschaftlich qualifiziert." Herr Haas sei ein lauter, leidenschaftlicher Mensch, "der für den Aufschwung verantwortlich ist, der sich einen Traum erfüllt hat. Das ist doch schön."

Grödig hat sich ganz klar definiert. "Als Zwischenstation für junge Spieler auf dem Weg nach oben." Er herrscht ein reges Kommen und Gehen, ein Dutzend Kicker hat den Klub verlassen. Stefan Nutz, Philipp Huspek und Tomi wechselten zu Rapid. Andere wurden verpflichtet, um zu lernen, sich für höhere Weihen zu empfehlen. Sie heißen Rene Swete, Lukas Denner, Tobias Kainz oder Dominik Baumgartner.

Das Puzzle lösen

Schöttel muss nun ein funktionierendes Team bilden. "Es geht darum, das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten zu machen. Es ist ein Puzzle mit vielen Teilchen." Die neue Mannschaft solle mehrere Gesichter zeigen, schnell umschalten, auf nicht planbare Situationen richtig reagieren. "Ich will eine kluge Mannschaft kreieren. Ich gebe die Regeln vor, im Rahmen derer sich die Spieler dann entfalten können,"

Martin Hiden ist Schöttels Assistent, man kickte einst gemeinsam bei Rapid. "Er hat mich angerufen, bekundete Interesse, wir waren uns rasch einig." Für Schöttel ist Grödig keine Zwischenstation, sondern "eine Herausforderung." Der Vertrag wurde bis Sommer 2017 abgeschlossen. Ziel sei, no na, nicht abzusteigen. "Salzburg, Rapid, Austria und Sturm sind viel stärker als wir. Dahinter ist alles offen, das wird eng." Abgesehen davon sei es nicht so einfach, eine passende Wohnung zu finden. "Aber ich schaffe es." (Christian Hackl, 3.7.2015)

  • Peter Schöttel hat im beschaulichen  Grödig angeheuert. Wobei der Druck eines Trainers "von innen kommt. Du  willst überall gewinnen." Die Grödiger waren zuletzt Achter.
    foto: apa/gindl

    Peter Schöttel hat im beschaulichen Grödig angeheuert. Wobei der Druck eines Trainers "von innen kommt. Du willst überall gewinnen." Die Grödiger waren zuletzt Achter.

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