Kämpfe auf dem Sinai: Ein neuer Krieg des IS

Kommentar2. Juli 2015, 17:22
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Der IS beginnt sich mit seinen lokalen Ablegern auch operativ zu koordinieren

Die jüngsten Vorfälle auf der ägyptischen Halbinsel Sinai lassen keinen Interpretationsspielraum zu: Das ist ein neuer Krieg des "Islamischen Staats" (IS) in einem arabischen Land. Im Gegensatz zu Syrien, Irak und Libyen ist in Ägypten die Staatsmacht nicht korrodiert und die nationale Armee stark und einig: umso beeindruckender – im negativen Sinn -, dass es der IS schafft, Ägypten ernsthaft herauszufordern.

Einer der Gründe für die Machtübernahme General Abdelfattah al-Sisis vor zwei Jahren war die sich verschlechternde Sicherheit auf dem Sinai: Das Problem ist ungelöst. Unverdrossen wird weiter an der Schraube immer schärferer Gesetze gedreht und auf die Repression der Muslimbrüder gesetzt. Bisher hat es wenig genützt.

Nicht anders als andere arabische Länder neigt Ägypten dazu, fremde Mächte für die eigenen Krankheiten – etwa die Marginalisierung der Beduinen auf dem Sinai, die sie für die IS-Rekrutierung anfällig macht – verantwortlich zu machen. Die Komplexität der koordinierten Angriffe auf mehrere Ziele, die hochstehende Bewaffnung des IS: Ist das nicht der Beweis für die Beteiligung ausländischer Geheimdienste? Unabhängige Experten sehen in der militärischen Stärke der Sinai-Islamisten eher einen Hinweis darauf, dass der IS beginnt, sich mit seinen lokalen Ablegern – in diesem Fall "Wilayat Sinai" (Provinz Sinai) – auch operativ zu koordinieren. Eine sehr schlechte Nachricht. (Gudrun Harrer, 2.7.2015)

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