"Kurier"-Foto: Nach Strache könnte auch Gudenus geklagt werden

2. Juli 2015, 16:07
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Stein des Anstoßes ist wieder das Foto mit einem Flüchtlingskind vor Wiener Asylquartier – Wiener FPÖ-Obmann sprach in Interview von gestellter Aufnahme

Wien – Nach FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wegen Kreditschädigung erwägt der "Kurier" eine weitere Klage gegen einen FPÖ-Vertreter. Im Visier: Johann Gudenus. Der Wiener FPÖ-Klubobmann hat dem "Kurier" am Mittwoch in einem Interview auf Puls 4 Manipulation und Inszenierung vorgeworfen. Auf STANDARD-Anfrage meint "Kurier"-Herausgeber und -Chefredakteur Helmut Brandstätter, dass er rechtliche Schritte prüfen lasse. Er werde das Material seinem Anwalt zur Bewertung schicken.

Konkret geht es um ein Foto, das "Kurier"-Fotograf Jürg Christandl am 3. Juni gemacht hat. Es zeigt ein Flüchtlingskind und zwei erwachsene Flüchtlinge bei der Ankunft im Asylquartier in der Erdberger Straße in Wien-Landstraße, während FPÖ-Anhänger "Nein zum Asylantenheim"-Schilder hochhalten.

Aufnahme "gestellt"

Ähnlich wie Strache im Juni in der ORF-Sendung "Im Zentrum" und in der "ZiB 2" sprach Gudenus im Puls 4-Interview von einer gestellten Aufnahme: "Das ist fürs Foto gemacht worden." Laut Gudenus seien zu diesem Zeitpunkt nämlich keine Kinder im Asylquartier gewesen. "Wenn Kinder missbraucht werden für Fotos (...), dann ist es etwas, für das sich eigentlich der Fotograf entschuldigen sollte", sagt er. Wohl in Anspielung auf die Klage, die der "Kurier" gegen Strache anstrengt, meint er, dass der Sachverhalt vor Gericht geklärt würde.


"Kurier"-Fotograf widersprecht

"Kurier"-Fotograf Christandl selbst wies den Vorwurf der Manipulation bereits kurz nach seiner Aufnahme Anfang Juni zurück: "Das stimmt natürlich nicht und macht mich sprachlos", meinte er danach zur APA. "Ich und ein paar andere Fotografen sind da gestanden. Es war schon relativ am Ende der Protestaktion. Auf einmal sind diese Flüchtlinge Richtung Flüchtlingsheim vorbeigegangen, weil die FPÖ ja den Zugang blockiert hat. Ich sehe das, reiße instinktiv die Kamera hoch und drücke zehnmal drauf. Die Flüchtlinge haben auch nicht posiert. Das war in vier Sekunden vorbei. Ich habe daran keine Inszenierung erkennen können, und ich war schon überhaupt kein Teil einer Inszenierung und lasse mich als Fotograf nicht positionieren." (omark, 2.7.2015)

  • Johann Gudenus auf Chef-Linie.
    foto: screenshot / puls 4

    Johann Gudenus auf Chef-Linie.

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