30 Drogenschmuggler mithilfe Grazer Polizei geschnappt

2. Juli 2015, 14:36
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Suchtmitteltransport mit Katamaran über Atlantik

Graz/Europa-weit – Der Grazer Polizei ist es mit Bundeskriminalamt (BK) und internationalen Polizeibehörden gelungen, einen über den Atlantik hinweg agierenden Drogenring zu sprengen, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde. Rund 30 Personen wurden in Österreich und Brasilien verhaftet, die letzten am Vormittag in Kroatien und Slowenien. 180.000 Euro und Waffen wurden konfisziert. Zum Schmuggel diente u.a. ein Katamaran.

Der Drogenring hat über Kontinente hinweg agiert: Das Kokain wurde von Kolumbien und Bolivien mit dem Flugzeug nach Brasilien gebracht und von dort unter anderen mit einem privaten Katamaran nach Westeuropa, von wo es dann mit Kurieren unter anderem in den Balkanraum gebracht wurde. Das Heroin wurde wiederum aus der Türkei nach Europa geschmuggelt.

"Südamerika-Connection"

In die über die Monate immer weiter ausgeweiteten Ermittlungen war schließlich auch die US-amerikanische Anti-Drogenbehörde Drug Enforcement Agency (DEA) involviert, so Andreas Holzer vom BK, Leiter der Abteilung gegen Organisierte Kriminalität. Die DEA wurde beigezogen, als sich laut Holzer "die Südamerika-Connection" herauskristallisiert hat. "Wir haben sämtliche Teile des Netzwerks von Brasilien über Österreich bis zum Balkan offengelegt, drei Personen wurden vorigen Sonntag geschnappt, davon zwei Transporteure".

Die in Schwechat bzw. Steyr Festgenommenen – ein 61 Jahre alter Oberösterreicher und sein 35 Jahre alter Sohn sowie eine später wieder freigelassene Frau – seien teils geständig. Die beiden Männer haben pro Person 250.000 Euro Schmuggellohn erhalten. "Wir haben ein schönes internationales Täterbild bekommen", sagte Holzer am Donnerstag bei der Präsentation der Ergebnisse der Operation "Volvo II" in Graz. Beim Sohn wurden rund 100.000 Euro Bargeld konfisziert.

Razzien und Telefonüberwachung

Oberst Werner Jud, Leiter des Kriminalreferates des Stadtpolizeikommandos, berichtete, man habe erste Hinweise auf das Netzwerk im Zuge einer anderen Ermittlung erhalten. Daraufhin seien Verdächtige überwacht worden, im Sommer 2013 seien die Erhebungen dann mit dem BK, das ebenfalls an der Sache dran war, zusammengeführt worden. "Neben anderen Maßnahmen haben wir rund 60 Telefonüberwachungen durchgeführt", so Jud: "Dies hat dann am 19. Mai in Wien in Kooperation mit BK und LKA zur Festnahme von zwölf Tätern geführt". Bei diversen Hausdurchsuchungen bei den mutmaßlichen Dealern seien rund 80.000 Euro in bar und Schmuck sowie Autos im Wert von rund 20.000 Euro sowie eine Indoor-Cannnabis-Plantage sichergestellt worden.

Man wisse von einem Transport mit 600 Kilo Kokain, so Holzer, diesen habe man aber nicht observieren und abfangen können. 2014 wurde das Kokain mit dem Katamaran nach Europa transportiert. 2015 folgte ein erneuter Versuch, einen Schmuggel von 600 Kilogramm Kokain durchzuführen. Das Transportflugzeug mit 350 Kilo Kokain stürzte aber am Weg nach Fortaleza ab. Pilot und Co-Pilot wurden verletzt festgenommen, durch sie gewann man neue Erkenntnisse. In einem weiteren Flugzeug wurden insgesamt 250 Kilogramm Kokain sichergestellt. Da sich die Anlieferung neuen Kokains nach Fortaleza verzögerte, reiste der "Skipper" des Katamarans zurück nach Österreich, wo in Schwechat die Festnahme erfolgte.

Hochkomplexe Angelegenheit

Laut Holzer war geplant gewesen, das Kokain im brasilianischen Forteleza auf ein Fischerboot zu laden und dann dem vor der Küste wartenden – übrigens in Österreich registrierten – Katamaran des Oberösterreichers zu übergeben. Dort hätte man das Suchtgift im eigens präparierten Depot unter dem Deck (Staukapazität rund 600 Kilogramm) versteckt, um es dann nach Portugal oder Spanien zu bringen. "Die ganze Sache war hochkomplex", betonte Holzer. Umschlagplätze seien neben Ex-Jugoslawien auch die Niederlande gewesen.

"Volvo II"

Die Oberösterreicher seien erst vor etwa einem Jahr zur Bande gestoßen: Der 61-Jährige hatte in Kroatien wegen Betrugs in der Hafenstadt Split im Gefängnis gesessen, da wurden offenbar die Kontakte zur Gruppe um den im Oktober in Wien verhafteten Safet K., einem Montenegriner, geknüpft. "Dieser nennt sich selbst 'Pablo Escobar vom Balkan'", sagte Holzer. Laut den Polizisten seien am Donnerstag um 3.20 Uhr in Slowenien und Kroatien in einer konzertierten Aktion 14 bzw. drei Verdächtige festgenommen worden, womit in der Operation "Volvo II" inklusive "Escobar" 31 Personen in Haft worden seien.

"Operation Volvo II deshalb, weil eines der Fahrzeuge zum Drogentransort ein Volvo-Lkw gewesen ist", erklärten die Ermittler. Von Safet K. wisse man seit 2004, dass er einer der wesentlichen Player des Drogenhandels in Südost- und Mitteleuropa war. Aus der Türkei sei über ihn Heroin in den Balkanraum gekommen. Grazer Ermittler hatten kürzlich 2,2 Tonnen Essigsäure abgefangen, die für die Türkei bestimmt gewesen sei. Diese ist zur Heroin-Herstellung erforderlich. Man hätte damit 4,4 Tonnen Heroin herstellen können, erläuterte der Grazer Ermittler Wolfgang Kollnegg. Im April 2015 stellte man im griechischen Hafen Patras rund 370 Kilogramm Heroin in einem Lastkraftwagen sicher.

Bei den in Wien verhafteten Personen wurden laut Polizei 30 Waffen, darunter zwei Faustfeuerwaffen und zwei AK-47 Sturmgewehre "Kalaschnikow" entdeckt. Der "Drogen-Katamaran" fristet sein Dasein übrigens noch vor Brasilien: "Kaputt und mit mittlerweile gestohlenen Turbinen", so Holzer lakonisch. (APA, 2.7.2015)

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