"Politische Beißkörbe": ORF-Journalisten wehren sich gegen ATV-Kritik

2. Juli 2015, 13:31
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ATV stiegt aus Gesprächen mit ORF zu Wien-Wahl-Konfrontationen aus – ATV-Infochef Millecker zweifelte an Unabhängigkeit – ORF-Redakteursvertreter sprechen von "pauschaler Verunglimpfung"

Wien – Wie berichtet hat sich ATV von den Gesprächen über eine gemeinsame Wahlkonfrontation mit ORF und Puls 4 zur Wien-Wahl verabschiedet. ATV-Infochef Alexander Millecker wetterte in der Aussendung gegen ORF-Journalistinnen und Journalisten: "Weichgespülte Interviewfragen oder gar politische Beißkörbe wird es in einer ATV-Wahlsendung niemals geben."

In einer Aussendung wehren sich die ORF-Redakteursvertreter gegen den Vorwurf: "Selbstverständlich bleibt es ATV unbenommen, nicht mit dem ORF und Puls4 bei der geplanten Konfrontation zur Wien-Wahl zu kooperieren. Wir haben jedes Verständnis für den Wunsch nach redaktioneller Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Aber so wie sich ATV nicht in die redaktionelle Umsetzung dreinreden lassen will, gilt das auch für ORF-Produktionen. Entgegen der Aussage von ATV-Geschäftsführer Martin Gastinger, – 'wir hatten von Anfang an Zweifel, ob eine Sendung mit ORF und Puls4 zusammen machbar ist' – ist ATV auf den ORF zugekommen, mit dem Wunsch, eine gemeinsame Wahl-Sendung zu produzieren", heißt es.

Zum Zankapfel Werbepausen schreiben sie: "Wir haben auch großes Verständnis dafür, dass ATV als Privatsender auf die Werbefinanzierung angewiesen ist und deswegen auf Werbepausen in der Diskussions-Sendung besteht. Da es dem ORF aber gesetzlich verboten ist, Informationssendungen für Werbung zu unterbrechen, ist es offensichtlich schwer, ein gemeinsames Konzept zu finden."

Kein Verständnis habe die ORF-Redakteursvertretung dafür, dass ATV-Infochef Alexander Millecker die Unabhängigkeit der ORF-Berichterstattung anzweifle und den Journalisten der anderen Sendern unterstelle, sie würden "weichgespülte Interviewfragen" stellen und "politische Beißkörbe" tragen. "Diese pauschale Verunglimpfung von Journalistinnen und Journalisten anderer Medien ist eine unnötige Unterstellung, um die Konkurrenz schlecht zu reden."

"Auch bei sachlichen Differenzen zwischen Privat-Sendern und dem ORF gibt es keinen Grund, einander zu beschimpfen und Unprofessionalität zu unterstellen", sagt Dieter Bornemann, Vorsitzender des ORF-Redakteursrates. (red, 2.7.2015)

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