Ursache für akutes Leberversagen bei Kleinkindern geklärt

2. Juli 2015, 13:14
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Forscher haben durch eine genomweite Sequenzanalyse Mutationen in einem bestimmten Gen entdeckt, die mit dem Versagen der Leber zusammenhängen

München – Als seltene Erkrankungen gelten laut EU-Definition Krankheiten, an denen weniger als fünf von 10.000 Menschen leiden. Trotz niedriger Patientenzahlen interessiert sich die Wissenschaft zunehmend für diese Erkrankungen, zu denen auch das wiederkehrende akute Leberversagen gehört.

Georg Hoffmann von der Kinderklinik in Heidelberg betreut seit 20 Jahren mehrere Patienten, die bereits im Kindesalter wiederholt Anfälle von akutem Leberversagen hatten. Aufgrund der ähnlichen Verläufe vermutete er eine gemeinsame Ursache für die Erkrankungen.

Tobias Haack und Holger Prokisch vom Institut für Humangenetik der Technischen Universität München (TUM) haben nun bei vier erkrankten Kindern nach der genetischen Grundlage für akutes wiederkehrendes Leberversagen bei Fieber gesucht. "Wir haben mit unserer Studie zunächst nach genetischen Gemeinsamkeiten bei diesen Kindern geforscht, um eine mögliche Ursache für ihre Krankheit zu finden", so Haack.

Sequenzanalysen decken genetische Defekte auf

Die Wissenschaftler verwendeten die Methode der Exom-Sequenzierung. Das heißt, sie sequenzierten alle Abschnitte der Patienten-DNA, die Informationen für die Herstellung von Proteinen beinhalten. Zusätzlich untersuchten sie auch die DNA von nahen Angehörigen. Sie entdeckten dabei immer wieder fehlerhafte Veränderungen in einem bestimmten Gen.

"Bei insgesamt 11 Patienten fanden wir Mutationen im NBAS-Gen. Damit können wir dieses Gen erstmals in Zusammenhang mit Lebererkrankungen bringen, was auch für andere Krankheitsbilder interessant sein könnte", sagt Prokisch.

Fehlerhafte Transportprozesse durch Mutationen

Doch wie beeinflussen diese Mutationen zelluläre Abläufe? Um das zu klären, führten die Wissenschaftler anschließend molekularbiologische Experimente durch. Es zeigte sich, dass Mutationen im NBAS-Gen dazu führten, dass das Protein NBAS nur noch in geringer Menge gebildet wurde.

NBAS ist an Transportprozessen in der Zelle beteiligt, bei dem Proteine in Bläschen verpackt und von einem Zellkompartiment zum nächsten transportiert werden. "Wir konnten zeigen, dass das fehlerhafte Protein stärker hitzeanfällig ist und somit bei Fieber weniger Protein für die Koordinierung der Transportprozesse zur Verfügung steht. Das wiederum könnte in der akuten Situation die Stoffwechselprozesse in der Leber negativ beeinflussen.", so Prokisch.

Neuer Therapieansatz

Haack sieht in den Ergebnissen der Studie einen wichtigen Anknüpfungspunkt: "Wenn bei Kindern Fälle von Leberversagen im Zusammenhang mit Fieber auftreten, können wir jetzt gezielt das NBAS-Gen untersuchen."

"Die Diagnose hat inzwischen auch entscheidende therapeutische Konsequenzen. Wir haben bereits über die Jahre für diese Patienten empirisch einen erfolgreichen Therapieansatz entwickelt, mit speziellen Medikamenten sowie Zucker- und Fettinfusionen. Dieser steht den frisch diagnostizierten Patienten sofort zur Verfügung und kann jetzt weiter verbessert werden", ergänzt Hoffmann. (red, 2.7.2015)

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