Der Poster und das Bremsen

Kolumne5. Juli 2015, 17:00
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Eine Geschichte über das Bremsen und das Zuschnellauffahren – und über raunzende Poster

"Vielleicht machst du einmal eine Geschichte über das Bremsen und das Zuschnellauffahren", sagt die Holde. "Das interessiert die Leute nämlich, das sehen die ganz gleich wie ich", sagt die Holde. "Es mag nämlich niemand, wenn man so knapp hinten auffahrt und plötzlich bremsen muss. Darüber könntest du schreiben. Aber nur, wenn du gut gelaunt bist."

Wie soll man da gut gelaunt sein? Außerdem stand ein ganz anderes Thema auf dem Programm, eines, für das man schlechte Laune braucht, eines, das schlechte Laune macht: der Poster. Der immer alles schlecht findet. Der Poster an sich ist nämlich ein übelgelaunter Mensch, der diese Grundstimmung an seiner Umwelt auslässt. Blöd sind immer nur die anderen, die anderen Poster und ganz besonders der Journalist, unter dessen Artikel man jetzt etwas hinraunzt. Anonym natürlich, sowieso.

Raus mit der schlechten Laune

Beispiel Ferrari. Da ist das Auto so was von überflüssig und der Autor natürlich auch. Das kann ja nur ein Angeber sein, wenn er sich da reinsetzt. Und wie der blöd fahrt, blöd schreibt, blöd schaut. Raus mit der schlechten Laune, jawoll, kotzt euch nur die Seele aus.

Vielleicht ist das mit dem Bremsen und dem Auffahren alternativ zum Poster gar kein schlechtes Thema. In der Tat ist das natürlich bescheuert, aber manchmal überrascht einen der Verkehrsfluss, dann muss man etwas schärfer bremsen, als es gerade noch kommod wäre. Manche Autos haben schon einen Abstandswarner, sie tüten automatisch, wenn man dem Vorderwagen zu nahe kommt. Das System heißt Ulli. Und die Postings bleiben ungelesen, verdammt! (Michael Völker, 5.7.2015)

  • Manchmal muss man etwas schärfer bremsen.
    foto: apa/dpa/marc müller

    Manchmal muss man etwas schärfer bremsen.

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