Pankreaskarzinom: Die Grenzen der Medizin

2. Juli 2015, 11:22
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Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein bislang ungelöstes medizinisches Problem. "Die Überlebensraten liegen unter einem Prozent", sagt Onkologe Marco Bruno

Barcelona – Bei mehreren ehemals kaum behandelbaren Krebserkrankungen haben sich die Heilungschancen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Bisher ist eine solche Entwicklung beim Pankreaskarzinom aber ausgeblieben. Nur langsam scheinen sich neue Therapieformen abzuzeichnen, hieß es beim Weltkongress zu gastro-enterologischen Krebserkrankungen, der noch bis 4. Juli in Barcelona tagt.

"Eine Auswertung der Daten von 78.654 Patienten mit Pankreaskarzinomen hat gezeigt: 90 Prozent der Erkrankungen werden erst in einem Stadium diagnostiziert, in dem der Tumor nicht mehr operabel ist. Nur zehn Prozent der Erkrankten bekommen eine auf mögliche Heilung ausgerichtete Therapie. Die Überlebensraten liegen bei unter einem Prozent", sagte Marco Bruno vom Erasmus Medical Center in Rotterdam.

Kaum zielgerichtete medikamentöse Therapien

Erst langsam beginnen die Wissenschafter die biologischen Mechanismen und Hintergründe von Pankreaskarzinomen zu verstehen. "Das ist eine sehr komplexe Erkrankung. Die Krankheit eines Patienten lässt sich kaum mit jener eines anderen vergleichen. Es wurden bisher auch wenige mögliche Ziele für zielgerichtete medikamentöse Therapien beim Pankreaskarzinom identifiziert", sagte Manuel Hidalgo vom spanischen Krebsforschungszentrum in Madrid.

Ein Teil der Karzinome (rund 15 Prozent) sind durch genetische Instabilität charakterisiert, andere Unterformen des Pankreaskarzinoms durch Mutationen, die man auch von anderen Tumorerkrankungen kennt: p53-; BRCA- oder PALB2-Mutationen. Hier zeichnen sich mögliche potenzielle Therapieziele ab. Man könnte eventuell auf die einzelnen Erkrankungsformen abgestimmte Medikamente gemeinsam mit den neuen Immuntherapien (PD1-Blockade) kombinieren.

Auch "alte" Behandlungsprinzipien in neuer Form sind in Entwicklung. Der deutsche Pharmakonzern Merck arbeitet mit dem Wirkstoff Evofosfamid an einem Chemotherapeutikum, das durch den in vielen Tumoren vorhandenen Sauerstoffmangel erst in den eigentlichen Wirkstoff umgebaut wird. Das sollte die sonst an klassische Chemotherapeutika erinnernde Substanz zielgerichteter und eventuell wirksamer machen.

Engmaschiges Screening

Marco Bruno und sein Team arbeiten an einer Vorsorgestrategie beim Pankreaskarzinom. "Wir haben eine Gruppe von 230 Hochrisiko-Personen für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms, die wir regelmäßig per Magnetresonanz- und Ultraschalluntersuchungen sowie auf verschiedene Laborwerte untersuchen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs entsteht über einen Zeitraum von zwölf und mehr Jahren. Wir haben also ein langes 'Zeitfenster', um verdächtige Veränderungen zu entdecken", sagt der Experte.

Pankreaskarzinome können in bestimmten Familien gehäuft auftreten. Hier wären eventuell Personen mit einem hohen Risiko für eine solche Überwachung zu identifizieren. Doch wichtig wäre es, schon bei den Krebs-Vorstufen einzugreifen. "Bei einem Patienten haben wir ein erst 0,8 Zentimeter großes Karzinom entdeckt und sofort operiert. Trotzdem entwickelte er zwei Jahre später Metastasen", sagte der niederländische Experte. (APA, 2.7.2015)

  • Erst langsam beginnt die Medizin die biologischen Mechanismen und Hintergründe zur Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verstehen.
    foto: www.corn.at , heribert corn

    Erst langsam beginnt die Medizin die biologischen Mechanismen und Hintergründe zur Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verstehen.

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