"Nazikeller"-Prozess: Angeklagter bekennt sich nicht schuldig

2. Juli 2015, 10:40
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"Ich bin ja nur ein Sammler" – Staatsanwalt sieht Wiederbetätigung erfüllt

Eisenstadt – In Eisenstadt hat am Donnerstag der Prozess um die "Nazikeller"-Affäre begonnen. Aufgrund von Szenen, die im Dokumentarfilm "Im Keller" des Regisseurs Ulrich Seidl zu sehen waren, muss sich ein 58-jähriger Burgenländer wegen Wiederbetätigung nach Paragraf 3g des Verbotsgesetzes verantworten. Sein Mandant bekenne sich nicht schuldig, erklärte Verteidiger Werner Tomanek zu Prozessbeginn.

Staatsanwalt Heinz Prinke sah den Vorwurf der Wiederbetätigung in zwei Punkten erfüllt: Der Angeklagte habe in seinem Keller mehrere Uniformen mit Hakenkreuz, Hakenkreuz-Fahnen und Abzeichen, die Skulptur eines Adlers mit Hakenkreuz sowie Hitler-Bilder und NS-Abzeichen aufbewahrt und diese durch sein Mitwirken im Seidl-Film zur Schau gestellt. Außerdem habe er mit seinem Blechblasinstrument das Lied "Es zittern die morschen Knochen" des NSDAP-Mitglieds Hans Baumann gespielt.

Ein Sammler aus Leidenschaft

Vor einem Hitler-Porträt habe der Angeklagte gemeint, das sei "das schönste Hochzeitsgeschenk in meinem Leben", so Prinke. Der Dreh in dem Keller habe an sechs Tagen zwischen 26. April und 12. Juli 2009 stattgefunden. "Die Wortwahl und die Wahl des Musikstückes stammen alleine vom Angeklagten", sagte der Staatsanwalt. Im Prozess soll auch ein Video mit den Filmszenen gezeigt werden. "Die Bilder sprechen für sich", meinte der Ankläger.

Dass es "nicht eine der besten Ideen" des Angeklagten gewesen sei, an dem Film mitzuwirken, stehe außer Streit, sagte sein Verteidiger. Der Mann sei "ein Sammler aus Leidenschaft" und habe zu Hause vieles aufbewahrt – vom alten Plattenspieler bis zu Uniformen aus der k. u. k. Zeit und auch solchen aus der NS-Zeit. Der Besitz der Gegenstände, die er im Keller hatte, sei allein nicht strafbar, so Tomanek. Nur zeigen und propagieren dürfe man das nicht.

Der Hitler-Wein passte gut

Dem Gericht erzählte der Angeklagte, der Kontakt mit Seidl sei über einen Freund zustande gekommen, der mit einer Sekretärin des Regisseurs liiert gewesen sei. So wurde er gefragt, ob er seinen Keller herzeige, weil Seidl Motive für seinen Film suche.

Das Lied, das er in einer Szene gespielt habe, habe man "gemeinsam" ausgesucht. "Ich habe ein paar Lieder gespielt, die ich kannte. Und bei dem sind wir dann geblieben", schilderte er. Er habe auch bei dem Dreh "immer wieder gefragt: Ist das rechtlich abgesichert?" und zur Antwort bekommen: Ja, das sei mit der Rechtsabteilung geklärt.

Senatsvorsitzende Karin Lückl konfrontierte den Angeklagten auch damit, dass gegen ihn schon einmal wegen Wiederbetätigung ermittelt worden sei. Damals habe er Wein verkauft mit der Aufschrift "Ein Volk, ein Reich, ein Führer – Heil Hitler, der Befreier Deutschlands". Warum er solchen Wein überhaupt besessen habe? "Weil das in meine Sammlung hineinpasst", antwortete der Burgenländer.

"Man hat schon den Eindruck, dass das, was Sie hier sagen, von Ihnen kommt, weil das Ihre Auffassung ist", hielt ihm die Richterin vor. "Das stimmt nicht, dass das meine Auffassung ist. Ich bin nur ein Sammler", rechtfertigte sich der Angeklagte. (APA, 2.7.2015)

  • Der 58-jährige Kellerbesitzer und sein Anwalt Werner Tomanek vor Beginn des Prozesses.
    foto: apa/robert jaeger

    Der 58-jährige Kellerbesitzer und sein Anwalt Werner Tomanek vor Beginn des Prozesses.

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