Griechenland: Zickzack ins Verderben

Kommentar1. Juli 2015, 21:08
233 Postings

Das Referendum, das als Signal der Stärke gedacht war, dürfte die Verhandlungsposition der Regierung weiter schwächen

Es hätte verschiedene sinnvolle Wege gegeben, den Konflikt zwischen Griechenland und seinen Gläubigern beizulegen. Die Regierung von Alexis Tsipras hätte sich auf eine Verlängerung des Hilfsprogramms unter Auflagen einigen können – verbunden mit der Aussicht auf einen Schuldenschnitt. Sie hätte hart bleiben können in der Hoffnung, dass die Euro-Partner am Ende doch vor einem Grexit zurückschrecken und einem Abgehen vom drakonischen Sparkurs zustimmen. Oder sie hätte von selbst die Notbremse ziehen und einen Ausstieg aus der Eurozone vorbereiten können.

Alles wäre besser gewesen als der Kurs, den Tsipras gewählt hat: zuerst die Verhandlungen monatelang verschleppen, dann im Stundentempo hin- und herschwanken zwischen Zugeständnissen an die Gläubiger und Aufrufen zum Widerstand an seine Wähler. Die schlimmste Folge eines Grexit, die Schließung der Banken, ist bereits Wirklichkeit geworden, und auch kommende Woche droht Griechenland ein Land ohne Bargeld zu bleiben. Keine Wirtschaft hält das längerfristig aus.

Das Referendum am Sonntag, das als Signal der Stärke gedacht war, dürfte die Verhandlungsposition der Regierung weiter schwächen, gleichgültig wie es ausgeht. Ein halbes Jahr im Amt hat Tsipras seinem Volk nur leere Worte und wirtschaftliches Chaos gebracht. Sein Sturz wäre die einzige positive Folge der derzeitigen Farce. (Eric Frey, 2.7.2015)

  • Menschen auf dem Monastiraki Platz in Athen.
    foto: ap/petros karadjias

    Menschen auf dem Monastiraki Platz in Athen.

Share if you care.