Der drohende OSV-Untergang, das jähe NSVSVÖ-Auftauchen

1. Juli 2015, 19:01
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"Neuer Schwimmverband der Schwimmvereine in Österreich", auf diesen klingenden Namen hört jener zweite Schwimmverband, den just Vertreter des schon bestehenden OSV gegründet haben. Skandal, schreien die einen. Vorsichtsmaßnahme, sagen die anderen

Wien – Der Schwimmsport in Österreich gemahnt immer mehr an ein Wellenbad, regelmäßig geht es richtig hoch her. Den "Neuen Schwimmverband der Schwimmvereine in Österreich", mehr oder weniger kurz NSVSVÖ, haben ausgerechnet Proponenten des, nun ja, guten alten Schwimmverbands (OSV) als Verein eintragen lassen. Als NSVSVÖ-Präsident fungiert Arno Pajek, der aktuelle OSV-Rechtsreferent, als Schriftführer steht ihm Wolfgang Raber, der aktuelle OSV-Mastersreferent, zur Seite. So weit, so überraschend.

Darüber hinaus wundern sich Sportminister Gerald Klug und Herbert Kocher, Präsident der Bundessportorganisation (BSO), sehr darüber, nicht informiert worden zu sein. "Wir haben aus den Medien davon erfahren", hieß es seitens der BSO. Und auch in Klugs Büro hatte man "keine Info", was schon überrascht habe, da man den von internen Querelen gebeutelten OSV seit langem "relativ eng begleitet".

Thomas Unger, Generalsekretär des OSV, sagte dem STANDARD, es gebe über den NSVSVÖ "nicht viel zu sagen". Dessen Gründung sei "eine reine Vorsichtsmaßnahme", die nicht zuletzt verhindern solle, "dass irgendjemand anderer einen neuen Verband gründet". Wenn jemand wolle, fügte Unger hinzu, könne er "sieben Verbände gründen", das sei "bedeutungslos". Wieso der OSV dann diese "Vorsichtsmaßnahme" treffen musste, sagte Unger nicht.

Vorwurf "Konkursverschleppung"

Niko Formanek, Vater von Synchronschwimmerin Charlotte, ist einer der größten OSV-Kritiker. Der Kommunikationsexperte und Comedian, der einst Pressesprecher des Liberalen Forums war, wirft den OSV-Vorstandsmitgliedern vor, sie wollten "den Konsequenzen der jahrelang geführten, aber stets verlorenen Rechtsstreitigkeiten des OSV entgehen". Formanek äußert via Facebook den Vorwurf der "Konkursverschleppung". Die NSVSVÖ-Gründung sei der Versuch, finanziellen Haftungen zu entgehen und weitermachen zu können.

Pajek wollte zu den Vorwürfen Formaneks nicht Stellung nehmen, verwies aber auf eine OSV-Aussendung an die Vereine, in der es heißt: "Die Neugründung ist eine von mehreren vorbeugenden Maßnahmen, die getroffen wurden und werden, um die Zukunft des Schwimmsports in Österreich sicherstellen zu können. Wir werden auch in Zukunft alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit die anhaltenden Bestrebungen einer kleinen Gruppe an Personen, deren einziges Ziel die völlige Zerstörung des Verbands und des Schwimmsports ist, nicht von Erfolg gekrönt sein wird."

Quo vadis, OSV?

Der OSV kämpft seit Jahren um sein Fortkommen. Mehrere Vereine, die vom OSV ausgeschlossen worden waren, unter ihnen Dinko Jukics Verein Austria Wien, hatten den OSV geklagt. Der Salzburger SC Delphin hat bereits in erster Instanz Recht und 125.000 Euro Schadenersatz zugesprochen bekommen, wogegen der OSV Berufung einlegte. Laut Anwalt Thomas Krankl, der Jukic und den ebenfalls ausgeschlossenen Salzburger Landesverband vertritt, sieht sich der OSV mit Schadenersatzforderungen in Höhe von 300.000 Euro konfrontiert. Eine Klage des SC Austria bereitet Krankl erst vor. "Da kommt noch ein Hunderter dazu."

Bei Verurteilungen wäre der OSV wohl konkursreif, gesteht Generalsekretär Unger ein. "Solche Forderungen wären für die meisten Verbände existenzbedrohend." Krankl kann sich derweil vorstellen, "schuldtragende Funktionäre persönlich haftbar zu machen", in diesem Zusammenhang nennt er die Namen der ehemaligen OSV-Präsidenten Paul Schauer und Christian Meidlinger. Derzeit, nach dem Rücktritt des Meidlinger-Nachfolgers Stefan Miklauz, leiten die Vizepräsidenten Stefan Opatril, Gerd Lang und Peter Rothbauer die OSV-Geschäfte. Der Verband hält sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Fördergelder über Wasser. "Sponsor", sagt Generalsekretär Unger, "haben wir keinen mehr." (Fritz Neumann, 1.7.2015)

  • Dinko Jukic, Olympiavierter von London 2012, trainiert mehrheitlich in Rijeka. In Wien lässt er sich vor Gericht vertreten, nämlich von seinem Anwalt Thomas Krankl.
    foto: apa/pfarrhofer

    Dinko Jukic, Olympiavierter von London 2012, trainiert mehrheitlich in Rijeka. In Wien lässt er sich vor Gericht vertreten, nämlich von seinem Anwalt Thomas Krankl.

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