Mystery-Shopping: Hart, aber vertretbar

Kommentar1. Juli 2015, 17:33
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Mit den Ärzten will es sich die Politik in aller Regel nicht verscherzen

Die Ärzteschaft ist, wieder einmal, außer sich. Die Regierung will ihnen Testpatienten vorbeischicken, um zu kontrollieren, was ohnehin jeder weiß: dass viele Ärzte es nicht allzu genau nehmen, wenn es um Bestätigungen für Krankenstände geht. Schließlich will man es sich mit den Patienten, die gleichzeitig eine Einnahmequelle sind, für die Zukunft nicht verscherzen.

Das Mystery-Shopping, wie es auf Neudeutsch heißt, sei eine fundamentale Gefahr für das Arzt-Patienten-Verhältnis, befindet ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger. Er zieht Parallelen zum neuen Staatsschutzgesetz und der leichteren Möglichkeit, Konten zu öffnen. In beiden Fällen sei die Einbindung eines Rechtsschutzbeauftragten vorgesehen. Bei den Ärzten hingegen entscheiden allein die Krankenkassen, wann sie Mystery-Shopper aktivieren.

Eine ungerechtfertigte Benachteiligung, meint Rasinger. Dieser Vergleich ist aber überzogen, das Beispiel Pfusch am Bau wäre angemessener. Dort ist es selbstverständlich, dass unangemeldete Prüfungen stattfinden. Der einzige Unterschied ist: Wenn sich die Kontrollore beim Arzt sofort ausweisen müssen, haben sie keine Chance, einen Betrüger zu erwischen. Daher: Mystery-Shopping ist eine harte, aber vertretbare Maßnahme. Wahrscheinlich wird sie bei finalen Verhandlungen vor dem Nationalratsbeschluss aber ohnehin noch gestrichen. Denn mit den Ärzten will es sich die Politik in aller Regel nicht verscherzen. (Günther Oswald, 1.7.2015)

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