Proxyham verspricht komplett anonyme Internetnutzung

1. Juli 2015, 14:57
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Funkverbindung soll physische Distanz schaffen und als Open Hardware veröffentlicht werden

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben: Im Internet ist von Haus aus niemand anonym. Über die IP-Adresse sind die Nutzer üblicherweise relativ einfach zuzuordnen – zumindest wenn der Provider mitspielt.

Proxyham

Tools, die versuchen, die eigene Anonymität zu wahren, gibt es einige. So leitet etwa Tor jedes Paket über eine Vielzahl an Eckpunkten. Einen anderen Ansatz wählt Ben Caudill für seine Proxyham genannte Box: Das Gerät, das kommenden Monat im Rahmen der Hackerkonferenz Defcon offiziell präsentiert werden soll, nutzt eine Funkverbindung, um eine gewisse physische Distanz zu schaffen.

Eine Person kann dabei – je nach Landschaft und Gebäuden – bis zu vier Kilometer von dem Gerät entfernt sitzen. Gerade in einer Stadt macht das eine eindeutige Zuordnung praktisch unmöglich. Wer nach dem Urheber sucht, findet also maximal die Proxyham-Box.

Offen

Caudill betont dabei gegenüber "Wired", dass er keine kommerziellen Interessen verfolgt. Zwar will er die Box auf der Defcon an Teilnehmer verkaufen – der Materialpreis soll bei rund 200 US-Dollar liegen –, gleichzeitig aber auch den Aufbau als Open Hardware allen zugänglich machen.

Aufbau

Im Kern kommt hierbei ein Raspberry Pi zum Einsatz, der mit einer WLAN-Karte ausgestattet ist. Auf diese Weise kann etwa ein öffentliches WLAN als Internetverbindung genutzt werden. Dazu kommt die 900-MHz-Antenne, die für den Zugriff auf das Gerät von außen genutzt wird. All das könnte dann etwa in einer öffentlichen Bibliothek versteckt werden, so die Idee.

Zielgruppe

Als Zielgruppe für Proxyham sieht Caudill vor allem Dissidenten und Whistleblower, also Personen, die aus gutem Grund ein gesteigertes Interesse an ihrer Anonymität haben. Der bei Rhino Labs beschäftigte Sicherheitsdienstleister betont dabei, dass es nicht darum geht, andere Lösungen wie Tor oder VPN abzulösen, sondern diese zu ergänzen. (red, 1.7.2015)

  • Sicherheitsexperte Ben Caudill bei der Nutzung einer Proxyham-Verbindung.
    foto: ben caudill

    Sicherheitsexperte Ben Caudill bei der Nutzung einer Proxyham-Verbindung.

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