Arbeitserlaubnis für Asylsuchende: Leichtes Plus bei Arbeitslosen

1. Juli 2015, 14:41
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Sollten Asylsuchende Jobs annehmen dürfen, würde das die Arbeitslosigkeit um 0,23 Prozentpunkte erhöhen, sagt Wifo

Wien – Das Sozialministerium hat die bisher unter Verschluss gehaltene Studie über die Arbeitsmarktöffnung für Asylsuchende publiziert. Demnach würde eine Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylwerber zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Zuvor hatte sich das Ministerium noch gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen, Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hatte aber seine strikte Haltung gegen eine Öffnung des Jobmarkts wiederholt.

Die Studie ging zum Zeitpunkt des Erstellens von 33.000 Anträgen im Jahr 2015 aus und rechnet bei dieser niedrigen Antragszahl mit einer einmaligen Erhöhung des Arbeitskräftepotenzials um bis zu 10.000 Personen. Kurzfristig würde sich die Arbeitslosigkeit dadurch um 0,23 Prozentpunkte erhöhen. Das Innenministerium rechnet nunmehr bereits mit 70.000 Asylanträgen im Jahr 2015, also mehr als doppelt so vielen. Das würde die Zahl der Arbeitslosen also noch deutlicher erhöhen.

"Vor diesem Hintergrund ist für mich eine Öffnung des Arbeitsmarkts für Asylwerber nicht vertretbar", sagte Hundstorfer. "Wir haben bereits jetzt 17.122 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzbedürftige in Arbeitslosigkeit, unser Hauptaugenmerk ist es, diese in den Arbeitsmarkt zu integrieren." Hundstorfer verwies darauf, dass für diese Personen die Mittel für Deutschkurse ab Mittwoch noch einmal aufgestockt wurden.

Weniger Personal in Landwirtschaft

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass eine Öffnung des Arbeitsmarkts zu um 0,04 bis 0,08 Prozent niedrigeren Löhnen für österreichische Arbeitskräfte und zu einer geringfügigen (0,04 Prozentpunkte) Verringerung des Zugangs in Beschäftigung in einzelnen Branchen, etwa der Landwirtschaft, führt. Generell gilt: Je kürzer die Dauer von Asylverfahren, desto geringer sind die Auswirkungen einer Liberalisierung auf den Arbeitsmarkt.

Ein Blick auf die Qualifikationsstruktur ergibt, dass Asylwerber mehrheitlich Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren (75 Prozent) mit einem sehr hohen Anteil an mittleren Qualifikationen sind. Dieser Anteil sinkt jedoch und ist je nach Herkunftsland sehr unterschiedlich. 33,47 Prozent der Asylwerber verfügen maximal über einen Pflichtschulabschluss, 56 Prozent über eine mittlere Ausbildung.

Die Studie besagt weiters, dass die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen schwierig ist. Besonders benachteiligt sind Frauen und erst kurz im Land befindliche Personen. Die Probleme ergeben sich durch besonders unvorteilhafte Migrationsbedingungen, durch die schlechte Anerkennung von Ausbildungen im Herkunftsland, durch lange Stehzeiten außerhalb des Arbeitsmarkts während des Asylverfahrens und durch die Ansiedlung der Betroffenen in Regionen, in denen die spezifischen Qualifikationen der Asylwerber nicht nachgefragt werden.

Eingeschränkter Zugang nach drei Monaten

In Österreich ist ein eingeschränkter Arbeitsmarktzugang für Asylwerber nach drei Monaten möglich. Sie können dann nach Erhalt einer Bewilligung einer befristeten Saisonbeschäftigung im Tourismus oder in der Landwirtschaft nachgehen. Jugendliche Asylwerber bis 25 Jahren können eine Beschäftigungsbewilligung für einen Lehrberuf mit nachgewiesenem Lehrlingsmangel erhalten. Laut Grundversorgungsgesetz können Hilfstätigkeiten in den Betreuungseinrichtungen und Unterkünften (Küchenbetrieb, Reinigung, Instandhaltung) und maximal drei Wochen dauernde oder anlassbezogene Hilfstätigkeiten mit gemeinnützigem Charakter bei Bund, Land oder Gemeinde (Betreuung von Park- und Sportanlagen) ausgeübt werden. Solche gemeinnützige Tätigkeiten gelten allerdings nicht als Arbeitsverhältnis.

Ein erschwerter Arbeitsmarktzugang hat laut der Studie aber wenig Auswirkung darauf, wie viele Asylwerber in ein Land kommen. Nach den Ergebnissen internationaler Studien wären eine intensive Bekämpfung des Schlepperwesens und potenziell auch die Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge in einem Asylland wirksamere Maßnahmen zur Verringerung von Flüchtlingszahlen als eine Beschränkung des Arbeitsmarktzugangs, so das Wifo. (APA, 1.7.2015)

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