Schützt gesunde Ernährung das Gehirn?

1. Juli 2015, 12:30
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Laut einer Studie können gesunde Essgewohnheiten das Risiko kognitiver Einschränkungen im Alter verringern. Es bleiben aber zahlreiche Fragen offen

Patienten mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle können sich womöglich durch gesunde Ernährung vor geistigem Abbau schützen. Das ist das Ergebnis einer kanadischen Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht wurde.

Für die Untersuchung hat ein Forscherteam um Andrew Smyth von der McMaster University im kanadischen Hamilton die Daten zweier Untersuchungen zur Wirkung blutdrucksenkender Medikamente neu ausgewertet. Das Ergebnis: Die Studienteilnehmer, die sich am gesündesten ernährten, hatten ein um 24 Prozent geringeres Risiko für verminderte kognitive Leistungen im Vergleich zu denen, die sich besonders ungesund ernährten.

Als "gesund" galt dabei eine Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Nüssen oder Eiweiß aus Soja. Bei tierischen Nahrungsmitteln stand die Formel "mehr Fisch als Fleisch" im Fokus. Im Gegensatz dazu standen Probanden, die zu übermäßigen Konsum von frittierten Speisen oder Alkohol neigten.

Kognitive Leistungstests

"Die Ergebnisse legen nahe, dass gesunde Essgewohnheiten nicht nur das Herz-Kreislauf-Risiko sondern auch das Risiko für kognitive Störungen, insbesondere bezüglich Aufmerksamkeits- und Kontrollfunktionen, aber auch von Gedächtnisstörungen, senken könnten", meint Agnes Flöel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Den deutlichen Unterschied von 24 Prozent zwischen dem besten und dem schlechtesten Fünftel der Teilnehmer hält die Expertin für bemerkenswert. Die 27.860 Teilnehmer der Studie aus 40 Ländern waren mindestens 55 Jahre alt, sie litten an Herzerkrankungen oder hatten ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes.

Gemessen wurde die geistige Leistung anhand des Mini-Mental-Status-Test (MMST), einem Standardtest zur Diagnose von Demenz und Alzheimer. Anhand von standardisierten Aufgabenkomplexen wurden zentrale kognitive Funktionen überprüft, wie zeitliche und räumliche Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprachverständnis, Lesen, Schreiben, Zeichnen und Rechnen.

Möglicher Effekt von weniger Kalorien

In der Studie wurde der Test zu Beginn der Untersuchung und erneut nach fünf Jahren durchgeführt. In diesem Zeitraum beobachteten die Forscher etwa bei jedem sechsten Studienteilnehmer eine Verschlechterung der kognitiven Leistungen. Diese Informationen stellten Smyth und Kollegen dann den Ergebnissen aus einer Befragung zu den Essgewohnheiten der Studienteilnehmer gegenüber.

Flöel hält es allerdings auch für möglich, dass die errechnete Risikoreduktion nicht allein auf das gesunde Essen zurückzuführen ist, sondern auch eine Folge der verminderten Kalorienzufuhr sein könnte. Schließlich konnte die Forscherin die positiven Auswirkungen einer "kalorischen Restriktion" bereits vor einigen Jahren am Universitätsklinikum Münster nachweisen.

In ihrer Untersuchung zeigte sich, dass ältere Versuchspersonen im Anschluss an eine dreimonatige verringerte Kalorienzufuhr besser lernten: Die Lernleistung stieg um 20 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe. "Dieser Effekt beruht möglicherweise auf einem verbesserten Glukose-Stoffwechsel und einer damit verbundenen, positiven Wirkung auf insulinabhängige Stoffwechselwege im Gehirn", vermutet Flöel.

Offene Fragen

In der aktuellen Studie hatten die Forscher zwar mit statistischen Methoden mögliche Auswirkungen des Rauchens, des Körpergewichts und von sportlichen Aktivitäten herausgerechnet. Der unterschiedliche Energiegehalt der Nahrung wurde aber nicht berücksichtigt. Statt dessen ging es darum, wie viele Portionen Obst, Gemüse, Nüsse, frittiertes Essen oder Alkohol täglich konsumiert wurden, und wie das Verhältnis von Fisch zu Fleischprodukten sowie Eiern war.

Weiter kann die Studie nicht beantworten, welche Inhaltsstoffe der "gesunden Lebensmittel" letztlich für die positiven Effekte verantwortlich sind. Das und ob auch andere Faktoren wie eine verminderte Kalorienzufuhr positiv auf das Gehirn wirken, muss noch erforscht werden.

Mögliche Substanzen sind hier Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und Nährstoffe, die eine Kalorienrestriktion imitieren, mit positiven Auswirkungen auf den Glukose-Stoffwechsel. Flöel führt hier etwa das in Weintrauben vorkommende Resveratrol oder die für Selbstreinigungsprozesse der Zelle wichtigen Polyamine, die unter anderem in Weizenkeimlingen oder Sojabohnen enthalten sind, an. (red, 1.7.2015)

  • Als "gesund" definierten die Forscher eine Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Nüssen oder Eiweiß aus Soja.
    foto: apa/dpa/lukas schulze

    Als "gesund" definierten die Forscher eine Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Nüssen oder Eiweiß aus Soja.

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