Russland stoppt Gaslieferungen an Ukraine

1. Juli 2015, 11:04
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Russland und die Ukraine streiten erneut ums Gas. Alarmstufe Rot herrscht spätestens, seit am Mittwoch die Lieferungen wieder eingestellt wurden.

Ein neuer Gaskrieg zwischen Russland und der Ukraine ist in vollem Gang: "Die Ukraine hat für den Juli die Gaslieferungen nicht bezahlt. Am 1. Juli um zehn Uhr hat Gazprom die Gaslieferungen eingestellt. Ohne Vorauszahlung wird Gazprom kein Gas an die Ukraine liefern, zu welchem Preis auch immer", erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller am Mittwoch.

Seit einem Jahr handeln Moskau und Kiew jeweils im Dreimonatsabstand neue Preise für das jeweilige Quartal aus. Im Winter hatte sich Russland zu einem 100-Dollar-Rabatt auf die vor sechs Jahren ausgehandelten Verträge bereiterklärt, um den Gaspreis für die Ukraine einigermaßen mit den Weltmarktpreisen in Übereinstimmung zu bringen.

Russland will Rabatt kürzen

Da der Ölpreis zu Jahresbeginn allerdings auf seinem Tief war und Gazproms Gaspreise immer mit sechsmonatiger Verspätung seinen Verlauf nachzeichnen, will Russland diesen Rabatt nun auf 40 Dollar kürzen und wie im Frühjahr knapp 250 Dollar für 1000 Kubikmeter Gas kassieren. Die Ukrainer zahlten nicht mehr als deren Nachbarländer auch, heißt es aus Moskau. Energieminister Alexander Nowak nannte die Forderung nach einem höheren Rabatt "unbegründet".

Kiew allerdings besteht auf einem Preis von 200 bis 210 Dollar und will zudem den Betrag bis zum Ende des nächsten Winters festschreiben, um im Herbst nicht mit der nächsten Preissteigerung konfrontiert zu werden. Nach dem Scheitern der zähen Verhandlungen in Wien hatte zuerst der ukrainische Staatskonzern Naftogaz den Stopp des Gasankaufs verkündet. Da auch Ungarn die Reverslieferungen an die Ukraine vorläufig eingestellt hat, bezieht Kiew den Brennstoff derzeit nur aus der Slowakei.

Vorerst keine direkten Folgen

Direkte Folgen für die Gasversorgung der Ukraine hat die Abschaltung vorerst einmal nicht: Im Frühjahr hat das Land die Speicher auf 11,5 Milliarden Kubikmeter aufgefüllt, im Sommer ist der Verbrauch gering. Um über den Winter zu kommen, müsste die Ukraine ihre Speicher allerdings auf mindestens 16 Milliarden Kubikmeter auffüllen. Das Geld dafür fehlt, weshalb schon ein Hilfsgesuch über eine Milliarde Dollar in Brüssel eingegangen ist.

Auf einen Kredit aus Moskau kann Kiew nicht rechnen. Gazprom liefert angesichts der politischen Spannungen nur gegen Vorkasse und fordert noch die Zahlung von 2,5 Milliarden Dollar an Altschulden. Die ukrainische Führung bestreitet diese Summe ebenso wie die Forderung Gazproms nach 212 Millionen Dollar für von Kiew nicht sanktionierte Gaslieferungen des Konzerns an die "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk.

Nebenwirkung für die Krim

Allerdings nutzt auch die Ukraine die ihr zur Verfügung stehenden Druckmittel in der Auseinandersetzung: "Am 30. Juni um 17.39 Uhr wurden wir vom nationalen Energieversorger UkrEnergo über die Kürzung der stündlichen Stromlieferungen von der Ukraine an die Krim auf null Megawatt informiert", teilte das russische Energieministerium mit. UkrEnergo dementierte die Meldung später. Über die Stromversorgung in der Ukraine lege das Unternehmen dem russischen Energieministerium keine Rechenschaft ab, hieß es. Am Mittwoch wurden auf der von Russland annektierten Halbinsel auch noch keine Stromausfälle gemeldet.

Trotzdem dürfte die Meldung kurz nach den gescheiterten Gasverhandlungen kein Zufall sein. Die Stromversorgung auf der Krim hängt ebenso wie die Wasserversorgung zu 80 Prozent von Lieferungen aus der Ukraine ab. Um die Abhängigkeit zu verringern, wurden im Winter auf der Halbinsel 13 mobile Gasturbinen mit einer täglichen Stromkapazität von 300 Megawatt installiert. Das entspricht allerdings trotzdem etwa nur einem Drittel des Tagesbedarfs. (André Ballin aus Moskau, 2.7.2015)

Russland liefert kein Gas mehr für die Ukraine: Bei zähen Verhandlungen in Wien konnten sich die beiden Länder wieder nicht über die Vorauszahlung einigen.

Foto: Reuters / Gleb Garanich

  • Russland liefert kein Gas mehr für die Ukraine. Bei zähen Verhandlungen in Wien konnten sich die beiden Länder wieder nicht über die Vorauszahlung einigen.
    foto: reuters / gleb garanich

    Russland liefert kein Gas mehr für die Ukraine. Bei zähen Verhandlungen in Wien konnten sich die beiden Länder wieder nicht über die Vorauszahlung einigen.

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