Linzer "Datenrettung Austria "expandiert stark

1. Juli 2015, 10:38
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14 Standorte in Europa – Schritt in die USA geplant

Das Unternehmen "Datenrettung Austria" mit Hauptsitz in Linz, das sich ausschließlich auf Festplatten und Server spezialisiert hat, expandiert stark. Derzeit hat es 14 Standorte in Europa, zu denen bald weitere kommen sollen. Der Schritt in die USA ist für 2017 geplant. Das teilte Firmenchef und -eigentümer Marko Huemer in einem Gespräch mit der APA mit.

Anteile

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst mit einem Anteil von 50 Prozent als Marktführer in Österreich; in Deutschland betrage der Marktanteil 70 Prozent. Im vergangenen Jahr bearbeitete es rund 20.000 Festplatten, die ihre Daten nicht mehr hergaben. Die Tendenz sei stark steigend: Heuer dürfte sich diese Zahl verdoppeln. Der nicht genannte Umsatz 2014 sei heuer bereits vor der Jahresmitte übertroffen worden.

Die Firma wird von Unternehmen und öffentlichen Institutionen beauftragt, in über 30 Prozent der Fälle auch von Privatpersonen. Unter den Kunden befinden sich so gut wie alle großen Konzerne in Europa, weiters Versicherungen, Gerichte, die eine Beweissicherung beauftragen, nahezu wöchentlich Banken und auch Finanzämter. Gerettet wurden demnach nicht nur Urlaubsfotos, sondern auch Daten unter anderem aus dem zentralen Finanzserver eines Konzerns und das Projekt eines Architekten, auch der Nachweis von Betriebsspionage gelingt immer wieder. Teilweise sei das Geschäft mit großen Emotionen verbunden, schildert Huemer: "Es melden sich Firmenchefs, die am Telefon weinen, weil ihre Produktion wegen eines Plattenfehlers stillsteht, oder weil sie wegen der verlorengegangenen Daten vor dem Konkurs stehen." Die Kosten abhängig von Größe des Fehlers und erforderlichen Zeitaufwand: von 200 Euro aufwärts.

Service

Seine Firma bietet ein 24-Stunden-Service an 365 Tagen. Tatsächlich ging auch schon in den Nachtstunden eines 24. Dezember ein Notruf ein. Die Erfolgsquote beträgt mehr als 90 Prozent – "höhere Zahlen sind unseriös", erklärte Huemer. Es gebe Fehler, die aus technischen Gründen eine Rettung der Daten unmöglich machten. Für die Bearbeitung der Platten wurde und wird eigenes Spezialwerkzeug und -software entwickelt. Mit den führenden Herstellern wird kooperiert. Lösungen für jeden bisher aufgetretenen und behobenen Fehler jedes Fabrikats werden in einer Datenbank gespeichert.

Die Spezialisten für die Datenrettung sitzen in zwei Reinraum-Labors in Linz und Amsterdam. Als Mitarbeiter kommen Absolventen eines Mechatronik- und eines Informatikstudiums infrage, die noch eine zusätzliche Ausbildung im Unternehmen und in einem Labor in Russland bekommen. Sie tragen große Verantwortung, denn bereits der erste untaugliche Versuch kann die Daten endgültig zerstören. Sie dürften diese nur wiederherstellen, der Inhalt sei für sie tabu, es gelte höchste Diskretion, betonte der Firmenchef. Ausgenommen sei nur Kriminelles, das angezeigt werden müsse. Diese auf der ganzen Welt kaum vorhandenen Mitarbeiter seien nur über gute Kontakte oder Headhunter anzuwerben, sie würden nicht unter netto 7.500 Euro pro Monat verdienen. Topleute bekommen auch noch Erfolgsprämien.

Huemer selbst kann auf eine 14-jährige Berufserfahrung in der IT-Branche verweisen, obwohl er erst 30 Jahre alt ist. Schon als 16-Jähriger, als er die Maurer-Lehre absolvierte und danach als Bauleiter arbeitete, betrieb er eine auf den Namen seiner Mutter laufende einschlägige Firma, mit der er sich selbstständig machte. Das Wissen erwarb und erwirbt er sich durch ständige Fortbildung. Der Anstoß für sein jetziges Geschäft kam, als ihm einmal eine Festplatte zu Boden fiel, keiner der Datenretter helfen konnte und er es letztlich selbst schaffte. (APA, 1.7.2015)

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