Neuordnung des Straßenbahnnetzes in Floridsdorf geplant

1. Juli 2015, 14:34
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Für das in Bau befindliche Wiener Krankenhaus Nord soll das Tramwaynetz umstrukturiert werden: Die Linie 25 soll verlängert und dafür Linie 30 aufgelassen werden, die Linien 26 und 33 ihre nördlichen Äste tauschen. Kritiker befürchten allerdings eine Ausdünnung der Intervalle

Wien – Der Wiener Norden, namentlich der Bezirk Floridsdorf, war lange Zeit und ist noch heute mit Spitalsbetten unterversorgt. Das neue Krankenhaus Nord, laut Gemeinde das "modernste Spital Europas", soll diesen Mangel beheben. "Das Kernstück", schrieb der Krankenanstaltenverbund vor acht Jahren, "wird bis 2012/13 am linken Donauufer entstehen."

Das Zeitkorsett wurde mittlerweile mehrfach gedehnt (zuletzt auf 2017), auch die veranschlagten Kosten (von 605 Millionen auf mehr als eine Milliarde Euro) und der Ort (vom Donauufer auf das Areal der früheren ÖBB-Hauptwerkstätte an der Brünner Straße) wurden revidiert und adaptiert.

Pläne für einen U6-Ausbau wurden wieder verworfen

Wie gut die Bevölkerung ein derartiges Infrastrukturprojekt aufnimmt, hängt nicht zuletzt von der Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz ab. 2008 forderten die SPÖ und die ÖVP im Gemeinderat noch per Antrag, "umgehend die Verlängerung der U6 zum neu entstehenden Krankenhaus Nord einzuleiten".

Die Pläne wurden verworfen, doch nun steht zumindest eine Neuordnung des Floridsdorfer Straßenbahnnetzes bevor. Eine offizielle Bestätigung der Wiener Linien gibt es dafür nicht, doch wie aus dem Umfeld des Verkehrsunternehmens vertraulich kolportiert wird, wurden leitende Mitarbeiter im Bezirk bereits über die Umstrukturierung informiert. Demnach sind vier Tramwaylinien betroffen.

foto: wiener linien/m. helmer
Die Linie 31 könnte mit neuer (alter) Streckenführung bald zur Linie 32 werden.

Die Linie 25 soll ihre Passagiere von ihrer Donaustädter Endhaltestelle an der Oberdorfstraße weiterhin bis zur U6-Endstation Floridsdorf bringen. Statt dort zu wenden und retour zu fahren, soll sie künftig auf die Brünner Straße abbiegen und am Krankenhaus Nord vorbei bis zur Station Hanreitergasse führen.

Die Linie 30, die bisher diesen neuen Streckenabschnitt des 25ers und darüber hinaus die Brünner Straße bis Stammersdorf befuhr, soll aufgelassen werden.

Die Linien 26 und 31, die sich derzeit noch an der U-Bahn-Station Floridsdorf kreuzen, sollen dort ihre Äste nach Nordosten beziehungsweise Nordwesten tauschen: Der 26er würde nach wie vor an der Hausfeldstraße bei der Asperner Seestadt starten, ab der U6-Station aber wie der 25er die Brünner Straße bedienen – anders als dieser jedoch bis nach Stammersdorf. Der vom Schottenring in der Innenstadt kommende 31er würde hingegen nicht mehr diese Trasse auf der Brünner Straße befahren, sondern den bisherigen Nordwestast des 26ers nach Strebersdorf übernehmen. Diese Strecke wurde bereits vor der U6-Verlängerung nach Transdanubien als Linie 32 geführt und könnte auch in Zukunft wieder diese Bezeichnung tragen.

foto: mcmt/fin
So könnte das neue Straßenbahnnetz in Floridsdorf aussehen.

Weil die Linie 25 nach diesen Plänen nicht mehr wie derzeit der 30er den ganzen Weg von Floridsdorf bis Stammersdorf befährt, befürchten Kritiker eine Reduktion der eingesetzten Züge und dadurch eine Ausdünnung der Intervalle. Die Linie 31 (beziehungsweise 32) würde Richtung Strebersdorf künftig ein weniger dicht besiedeltes Einzugsgebiet versorgen, darum könnte auch auf dieser Strecke die Zahl der Züge gesenkt werden.

Nicht das Krankenhaus, sondern dieser Spargedanke soll laut Insidern der stärkere Antrieb für die Umstrukturierung des Floridsdorfer Straßenbahnnetzes sein. Deshalb soll die offizielle Bestätigung der Stadt für die womöglich unpopuläre Neuordnung erst nach der Wiener Wahl folgen.

Dass das Tramwaysystem im 21. Bezirk bearbeitet werden soll, bejaht Wiener-Linien-Sprecher Answer Lang prinzipiell. "Es gibt das Grundsatzbekenntnis, dass die Straßenbahn mit Floridsdorf und mit dem neuen Hotspot Krankenhaus Nord mitwachsen soll. Wir wälzen gute Ideen mit Bezirksvorsteher Georg Papai", sagt Lang. Inhaltlich könne er die kolportierten Pläne allerdings weder ein- noch ausschließen. (Michael Matzenberger, 1.7.2015)

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