Kein Handel mit Schweinen: Deutsche Islambank am Start

1. Juli 2015, 08:00
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In Deutschland öffnet die erste Bank nach islamischen Regeln. Da sie keine Zinsen nehmen darf, greift sie zu einem legalen Trick

Berlin – Kemal Ozan hat einiges vor. "Bis Ende 2017 erwarten wir einen Kundenstamm von 20.000 Geschäftskunden und Privatkunden", sagt der Chef der KT Bank AG, der ersten islamischen Bank mit Sitz Frankfurt/Main. Diese ist eine einhundertprozentige Tochter der der Kuveyt Türk Katilim Bankasi A.S. in Istanbul und hat als erstes Geldhaus in Deutschland von der Finanzaufsicht Bafin eine Lizenz als Vollbank erhalten.

Es soll Filialen in deutschen Städten geben, Kundenbetreuer, Bankkarten – wie bei jedem anderen Geldinstitut auch. Und dennoch will sich das Haus deutlich von der deutschen Konkurrenz unterscheiden, indem es sich auf ethische Werte des Islam beruft.

Keine Geschäfte mit Pornografie

Das bedeutet: Das Institut darf keine Geschäfte machen, bei denen in Glücksspiel, Herstellung wie Vertrieb von Alkohol, Prostitution, in die Tabakindustrie, in Pornografie, in Rüstungsgüter sowie in die Verarbeitung von Schweinefleisch und den Handel damit investiert wird.

Der auffälligste Unterschied zu anderen Banken ist das Verbot zinstragenden Geldverleihs (auf Arabisch "Riba"). Man wird, um etwa eine Wohnung oder ein Auto zu finanzieren, keinen Kredit aufnehmen können. Vielmehr erwirbt die Bank zunächst das Objekt und verkauft es dann mit Aufschlag an den Kunden weiter, der den Preis in Raten abzahlt. Statt Zinsen auf Sparguthaben auszuzahlen, beteiligt die Bank ihre Kunden am Gewinn.

Fokus auf Nachhaltigkeit

Die Bank will aber nicht nur die 4,3 Millionen Muslime in Deutschland ansprechen, sondern sieht sich auch für Kunden, die statt Risiko Nachhaltigkeit schätzen, als Alternative. (Birgit Baumann, 1.7.2015)

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