Büros plus Wohnungen plus Eisgeschäft

2. Juli 2015, 09:00
36 Postings

Reine Büroviertel sind out, Quartiersentwicklung ist das Schlagwort der Stunde. In der Leopoldstadt setzt man das gerade gleich zweimal in unmittelbarer Nachbarschaft um

Die Planungen laufen schon seit rund zehn Jahren, nun wird es aber tatsächlich ernst mit dem "Messecarree Nord" beim Messeturm in Wien-Leopoldstadt. Auf einem schmalen, langgezogenen Grundstück, beginnend an der Kreuzung Ausstellungsstraße/Vorgartenstraße und dann entlang der U2-Trasse nach Osten, geht die Prisma Holding gemeinsam mit der Wiener Städtischen Versicherung an den Baustart.

Schon 2006 hatte es einen städtebaulichen Wettbewerb gegeben. Warum die Entwicklung so lange dauerte, erklärt Prisma-Vorstand Bernhard Ölz mit einer "Änderung in der stadtplanerischen Grundhaltung" der Behörden, "weg von der reinen Büroentwicklung, hin zur Quartierslösung". Das habe eine zeitliche Verzögerung bedingt "oder auch eine Qualitätsverbesserung, wie immer man das nennen mag". Tatsache ist nämlich, dass die nunmehrigen Pläne viel besser den aktuellen Marktanforderungen entsprechen: Der Großteil der Flächen, 10.250 m², werden Wohnungen. Nur ein relativ kleiner Anteil von 4.600 m², verteilt auf zwei Bauteile, werden Büros.

Exklusiver Partner bei der Vermarktung der Büros ist EHL. Zumindest einen größeren Mieter wünscht sich Ölz, ansonsten könne die Besiedelung ruhig auch "etwas kleinteiliger werden". Auch über Co-Working-Modelle denke man nach, "das wäre für die Gegend goldrichtig", ist Ölz überzeugt. "Und wir haben da auch sehr viel Erfahrung."

Baubeginn für Herbst geplant

Die Flächen werden 2017 auf den Markt kommen, als Bandbreite bei der Miethöhe nennt Ölz "netto 13 bis 15 Euro". Sorgen, die Flächen nicht an den Mann zu bringen, mache er sich keine. "Der Standort ist einerseits nicht allzu groß, und andererseits wird das Objekt eine besondere Note haben – durch gleich zwei U-Bahn-Stationen und die Nähe zur Messe. Da gibt's sicher schwierigere Standorte in Wien."

Den Baubescheid erwartet man innerhalb der nächsten Wochen, im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden. Handelsflächen gibt es auch, unter anderem zieht Hofer als Nahversorger dort ein.

Die Wohnungen sollen zur Gänze Mietwohnungen bleiben, und die Prisma will das ganze Projekt auch nach Fertigstellung nicht verkaufen. "Wir hatten schon Anfragen, haben aber widerstanden", schmunzelt Ölz. "Bei der Wiener Städtischen sieht man das ganz ähnlich."

Durchmischung

Im fast angrenzenden "Viertel Zwei", das gerade von der IC Projektentwicklung erweitert wird, sieht Ölz "nicht direkt" eine Konkurrenz. "Die sind imagemäßig sehr gut aufgestellt, sodass uns das sicher hilft."

Auch bei der Erweiterung des "Viertel Zwei" (Projektname "Viertel Zwei Plus") setzt man auf Durchmischung, allerdings nicht innerhalb einzelner Gebäude (abgesehen von den Erdgeschoßzonen). Drei Riegel-Bauten (namens "Denk Drei" A, B und C) werden ausschließlich Büroflächen aufweisen, insgesamt im Ausmaß von 22.500 m². Vermarktungspartner sind EHL, Otto und BAR, Abschlüsse gibt es noch nicht, berichtet IC-Sprecher Florian Felder. Ein bisschen Zeit ist noch, im Frühjahr 2017 will man mit den Büroflächen auf den Markt kommen.

Hinter den "Denk Zwei"-Bauten, mit freiem Blick zur Trabrennbahn, entstehen ein Block mit Apartment-Wohnungen sowie ein zweites "Milestone"-Studentenheim (der Standard berichtete). Im Süden des Areals werden außerdem sieben runde Wohnblöcke errichtet, die zum grünen Prater hin in der Höhe abfallen. Trotz Quadratmeterpreisen von rund 5500 Euro herrsche an den 201 Wohnungen großes Interesse, sagt Felder.

Stadtteilzertifizierung

Für die Erweiterung ist gerade der Aushub im Gang, das gesamte Areal wird mit einer Tiefgarage erschlossen. Für das ganze neue Stadtquartier wird eine Zertifizierung nach ÖGNB/DGNB angestrebt. Nötig ist dafür ein ausgeklügeltes Energiekonzept, das unter anderem auf Erdwärme sowie auf die Abwärme der Kühlung der Büros setzt.

Wie in der ersten Ausbaustufe des "Viertel Zwei" wird die IC Projektentwicklung auch beim zweiten Teil einen Verkauf der einzelnen Bauteile an Investoren anstreben. Die Erdgeschoßzonen rund um den "Hauptplatz", der dem südöstlichen Ausgang des WU-Geländes direkt gegenüberliegen wird, will man laut Felder aber behalten, "um sie für den Stadtteil optimal bespielen zu können". Ein gutes Eisgeschäft sollte nämlich zumindest laut den Überlegungen der Entwickler an diesem Standort jedenfalls nicht fehlen, außerdem will man sich beispielsweise um eine Fahrradwerkstatt bemühen. Was die Gastronomie betrifft, ist man auf der Suche nach einem Betrieb, "der hauptsächlich vom Mittagsgeschäft leben kann" – denn außerhalb der Geschäftszeiten ist derzeit auch im alten "Viertel Zwei" wenig los, gibt Felder zu.

Im Osten überlegt die IC bereits, was sie mit den ebenfalls kürzlich erworbenen Stallungen der Trabrennbahn direkt an der U2-Station "Stadion" machen wird. Teilweise sind die alten Bauten denkmalgeschützt. Laut Felder soll es bis Ende 2016 einen Architekturwettbewerb geben. Die Pferde sollen in den Süden, hinter die verbliebene Tribüne, übersiedeln. (Martin Putschögl, 2.7.2015)

  • Im "Messecarree Nord" von Prisma und Wiener Städtischer entstehen 4600 m²  an Büroflächen, ...
    foto: prisma

    Im "Messecarree Nord" von Prisma und Wiener Städtischer entstehen 4600 m² an Büroflächen, ...

  • ... in der "Viertel Zwei"-Erweiterung Richtung Prater fast fünfmal so viel.
    foto: ic

    ... in der "Viertel Zwei"-Erweiterung Richtung Prater fast fünfmal so viel.

Share if you care.