Der Mediale Entorhinale Cortex macht die Zeitansage im Gehirn

4. Juli 2015, 17:50
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Österreichischer Biologe findet unsere "Hauptuhr"

Wien – In einer Gehirnregion namens Medialer Entorhinaler Cortex (MEC) haben Säugetiere einen Plan ihrer Umgebung gespeichert. Seine Zellen senden dem Lernzentrum des Hippocampus aber vorwiegend zeitliche Informationen, fand der österreichische Biologe Stefan Leutgeb mit einem Team heraus. Er ist damit vermutlich die "Hauptuhr" des Gehirns, erklären die Forscher im Fachmagazin "Nature Neuroscience".

Für die Navigation im Raum spiele der Entorhinale Cortex dennoch eine entscheidende Rolle, indem er für zeitliche Präzision sorgt, so Leutgeb, der an der University of California in San Diego forscht. Damit Erinnerungen (zum Beispiel an die Umgebung) gebildet werden können, sei eine zeitlich gut abgestimmte Aktivität der Nervenzellen nötig, denn sonst würden die Informationen durcheinandergebracht, und in der falschen Reihenfolge gespeichert. Was vermutlich fatal ist, wenn man sie anschließend abrufen und sich irgendwo zurechtfinden will.

Faktor Timing

Die Forscher hatten Zellen im MEC von Ratten manipuliert und untersucht, wie sich das auf die Informationsübertragung an den Hippocampus auswirkt. Bisher habe man angenommen, dass vor allem räumliche Informationen von den "Rasterzellen" (grid cells) im MEC an die "Ortszellen" (place cells) im Hippocampus gesendet werden. "Wir haben aber herausgefunden, dass hauptsächlich das präzise Timing der neuronalen Aktivitäten im Hippocampus von Signalen aus dem MEC abhängt", erklärte Leutgeb.

Das interne Navigationssystem ist bei vielen Nervenkrankheiten wie Alzheimer, Schizophrenie, nach einem Schlaganfall und Gehirnverletzungen gestört, so der Forscher. "Unsere Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Behandlungen, die bei solchen Gehirnstörungen das präzise Timing der Nervenaktivitäten wiederherstellen, auch die Gedächtnisfunktionen verbessern können", meint er. (APA, 4. 7. 2015)

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