Jährlich neues Handy: Hohe Folgekosten für die Umwelt

11. Juli 2015, 11:11
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Nur wenige Geräte werden recycelt, in den Haushalten lagern tonnenweise Edelmetalle

Die Smartphonehersteller haben ihren jährlichen Rhythmus gefunden. Einmal im Frühjahr und einmal im Spätsommer zeigen die meisten Unternehmen neue Modelle ihrer Spitzengeräte. Mit Erfolg: Alleine Apples iPhone 6 fand am ersten Wochenende nach dem Start im vergangenen Jahr bereits zehn Millionen Käufer.

Das Prinzip funktioniert, die Kundschaft kauft scharenweise neue mobile Begleiter, obwohl ihre aktuellen Geräte noch fehlerfrei arbeiten. Dabei hält sich der Fortschritt oft in Grenzen – ein etwas schnellerer Prozessor hier, eine etwas bessere Kamera da und vielleicht ein Display, auf dem sich noch mehr Pixel auf kleiner Fläche zusammenquetschen. Dieses auch von den Mobilfunkern geförderte Kaufverhalten hat hohe Folgekosten für die Umwelt, berichtet die Wirtschaftswoche.

100 Millionen Altgeräte lagern in Deutschland

Laut Studie des deutschen Internetprovider-Verbandes Bitkom lagern alleine in deutschen Haushalten mittlerweile über 100 Millionen Mobiltelefone. Das deutsche Umweltbundesamt lieferte 2014 eine Schätzung von 85 Millionen Geräte und rechnete dies auch gleich in Rohstoffe um: 765 Tonnen Kupfer, 21 Tonnen Silber und mehr als zwei Tonnen Gold und eine Reihe seltener Erden.

Es gäbe theoretisch also einiges an Recycling-Potenzial, das in der Praxis jedoch auf einige Hürden. Weniger als zehn Prozent der Alt-Handys werden demnach der Verwertung zugeführt. Dazu verläuft diese nicht gerade transparent, viele Unternehmen, die gebrauchte Telefone fürs Recycling annehmen, verkaufen diese offenbar an Zwischenhändler in Entwicklungsmärkten. Der weitere Weg der Geräte lässt sich kaum nachvollziehen. Forscher der University of Surrey halten fest, dass sie nur selten den Weg einschlagen, den die Hersteller offiziell vorsehen.

Fehlende Transparenz

Die Recyclingkette abzuarbeiten ist meist teurer, als die Handys einfach zu verschrotten. Darum blüht das Geschäft mit dem Weiterverkauf, der die mobilen Begleiter zumindest länger in der Verwendung hält. Doch die stetige Nachfragen der Erstkunden nach neuen Modellen erhöht trotzdem die Notwendigkeit, immer mehr Edelmetalle und seltene Erden aus dem Boden zu holen. Dabei ist kaum feststellbar, welcher Hersteller die Materialien aus welchen Minen bezieht und welche Arbeitsbedingungen dort herrschen.

Initiativen wie das Fairphone-Projekt versuchen hier für mehr Transparenz zu sorgen, kommen aufgrund der unübersichtlichen Lage dabei nur in kleinen Schritten voran.

Lange Nutzung schont die Umwelt

Abseits der Gefährlichkeit giftiger Inhaltsstoffe alter Elektronik (etwa in den Akkus) auf Müllkippen – ist der Smartphone-Rausch auch nicht gut für die Klimabilanz. Ein Handy sorgt in seinem Lebenszyklus, ohne Berücksichtigung seines Stromverbrauchs, für einen Verbrauch im Gegenwert von 48 Kilogramm CO2. Der größte Beitrag zum Umweltschutz wäre demnach, ein Handy möglichst lange im Gebrauch zu halten und wenn notwendig den Akku selber zu tauschen oder von einem Profi ersetzen zu lassen. (gpi, 11.07.2015)

  • Einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz kann man leisten, in dem man sein Smartphone möglichst lange verwendet.

    Einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz kann man leisten, in dem man sein Smartphone möglichst lange verwendet.

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