Brite will Griechenland per Crowdfunding retten

30. Juni 2015, 10:43
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1,6 Milliarden Euro veranschlagt – "Warum sollten nicht einfach die Leute das Problem lösen?"

Griechenland, lange hauptsächlich als Wiege der Demokratie und beliebte Urlaubsdestination bekannt, dominiert seit Monaten die mediale Berichterstattung. Das Land kämpft mit einer enormen wirtschaftlichen Rezession und zunehmend prekären Zuständen, während die Regierung rund um Premier Alexis Tsipras im Clinch mit der EU über die Bedingungen für weitere finanzielle Unterstützungen liegt. Jüngster Streitpunkt: ein geplantes Referendum, in dem Tsipras die Bedingungen der Union den griechischen Bürgern zur Abstimmung vorlegen will.

Der Londoner Thom Feeney ist vom europapolitischen Hickhack mittlerweile angewidert und schlägt eine alternative Lösung vor. Er will Griechenland per Online-Crowdfunding retten.

1,6 Milliarden Euro

"All dieses Gezittere rund um Griechenland wird schon langweilig. Europäische Minister, die ihre Muskeln spielen lassen, und ihr Getue darum, ob sie den Griechen nun helfen oder nicht – warum lassen wir es nicht einfach die Leute lösen?", schreibt er einleitend zu seiner Finanzierungskampagne auf der Plattform Indiegogo.

1,6 Milliarden Euro – das entspricht der Höhe der Kreditrate, die Griechenland eigentlich im Juli an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen müsste – sollen dort zusammenkommen. Für einen kompletten Bailout reicht das natürlich bei weitem nicht, das Geld soll aber verwendet werden, um dem Land wieder mehr Spielraum zu gewähren, um die Talfahrt zu stoppen.

Drei Euro pro EU-Bürger

Feeneys Rechnung ist einfach gehalten. Die EU hat über 500 Millionen Einwohner, argumentiert er. Wenn jeder davon etwas mehr als drei Euro beisteuert, wäre dieser Betrag schon erreicht. Das entspricht in London dem Gegenwert eines halben Pint Bier oder eines Salats mit Feta und Oliven. Damit will er verdeutlichen: Eine Spende dieser Größe wäre kein allzu großer Verzicht.

Als Vergleichswert dienen weitere Belohnungen für die Spender, sollte die Kampagne ihr nicht ganz ernst gemeintes Ziel erreichen. Für zehn Euro gibt es eine Flasche Ouzo, für 25 Euro den einst schon von Udo Jürgens besungenen griechischen Wein. 5.000 Euro werden für einen einwöchigen Zwei-Personen-Urlaub in Athen veranschlagt. Wer eine Million Euro beisteuert, darf sich ganz besonders des Dankes vieler EU-Bürger und der Griechen im Speziellen sicher wähnen.

Dem Aufruf gefolgt sind bislang rund 1.200 Nutzer, die über 16.000 Euro beigesteuert haben. Da für das Erreichen des Spendenziels nur ein Zeitraum von einer Woche vorgesehen ist, könnte es mit der Rettung Griechenlands über die Schwarmfinanzierung allerdings eng werden. (gpi, 30.06.2015)

  • Bislang sind circa 1.200 Leute dem Spendenaufruf gefolgt.
    foto: screenshot

    Bislang sind circa 1.200 Leute dem Spendenaufruf gefolgt.

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