Strache wirbt in Salzburg um blaue Parteibasis

30. Juni 2015, 09:35
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FPÖ Salzburg muss sich nach Spaltung organisatorisch neu aufstellen. Parteichef besucht Bezirksparteitage

Salzburg – Heinz-Christian Strache ist auf Werbetour. Aber nicht etwa in Oberösterreich oder Wien, wo in wenigen Monaten Landtagswahlen über die Bühne gehen werden, sondern in Salzburg. Nach der Spaltung der FPÖ in die Gruppe rund um Ex-Langzeitchef Karl Schnell (Freiheitliche Partei Salzburg / FPS) und die Strache-Getreuen mit Neo-Landesparteichef Andreas Schöppl will Strache durch seine persönliche Anwesenheit auf allen Bezirksparteitagen Basisnähe demonstrieren und versuchen, möglichst viele Funktionäre von einem Wechsel zu Schnell abzuhalten.

Die Bezirksparteitage sind notwendig geworden, weil sich die Blauen in so gut wie jedem der sechs Bezirke nach der Parteispaltung neu organisieren müssen. Montagabend war der Flachgau dran, am Ende des Prozesses steht ein außerordentlicher Landesparteitag am 13. Juli.

Flachgau: Hochburg der Schnell-Gegner

Während der Pinzgau – Heimatbezirk von Karl Schnell – für die Strache-Getreuen derzeit fast Feindesland darstellt, ist der Flachgau die Hochburg der Schnell-Gegner. Von der Stadtorganisation und vom Flachgau nahm die Revolte gegen Schnell ihren Ausgang.

Mit an die 200 Parteigängern entsprechend gut besucht war Montagabend die Versammlung im Gasthof Alte Post in Faistenau. Wirt Andreas Teufl ist übrigens selbst blauer Vizebürgermeister in Faistenau und gehörte zu jener Gruppe, die nach jahrelangen Querelen mit Karl Schnell von diesem letztlich aus der Partei ausgeschlossen worden waren. Der von Schnell mit Teufl im Frühjahr dieses Jahres ebenfalls aus der Partei geworfene Hermann Stöllner wurde mit 87 Prozent der Stimmen als Bezirksparteichef gewählt.

"Kein Platz für Renegaten"

Den Einheizer vor dem Strache-Auftritt in Faistenau gab Neo-Landesparteiobmann Andreas Schöppl. Der langjährige Klubobmann der Gemeinderatsfraktion in der Stadt Salzburg war im Jänner selbst aus dem Amt geputscht worden, hat aber dann aus "Kameradschaft", wie er sagt, nach der Parteispaltung doch die Funktion übernommen. Schöppl – selbst in der Partei nicht unumstritten – versicherte denn auch gleich zu Beginn seiner Rede: Er wolle sicher nicht mehr bei den Gemeinderats- oder bei den Landtagswahlen kandidieren. Auch den Parteiobmann werde er in spätestens einem Jahr wieder abgeben.

Dass er – wie es in Parteikreisen heißt – von Strache 2018 für seine Treue möglicherweise mit einem Nationalratsmandat belohnt werden könnte, ist kein Thema. Stattdessen beschwört Schöppl "die Aufbruchstimmung" der FPÖ, nachdem man sich von Schnell und seinen Leuten getrennt habe. Gefühlte einhundert Mal fällt das Wort "gemeinsam", ebenso oft wird die "Kameradschaftlichkeit" bemüht.

Die Türen der Salzburger FPÖ seien jedenfalls "offen", sagt Schöppl. "Alle sind eingeladen mitzugehen, vorausgesetzt es gibt ein klares Bekenntnis zu H.-C. Strache." Wer allerdings bereits einmal gegen die FPÖ kandidiert habe, für den sei kein Platz mehr. "Für Renegaten haben wir nichts übrig." Gemeint sind damit nicht nur Schnell und Co, sondern beispielsweise auch der ehemalige Parteivize Helmut Naderer, der inzwischen Landesparteichef der Stronach-Partei ist und mit Grünen und ÖVP am Koalitionstisch der Landesregierung sitzt.

"Wenn wir Wien kippen ..."

Publikumsmagnet Strache gibt dem Parteivolk dann das, was es zu hören erwartet. Es ist das bekannte Potpourri von der Staatsverschuldung über die Registrierkassenpflicht und den "Genderismus" sowie die Arbeitslosigkeit bis zu den Asylwerbern: "Das Boot ist längst voll", sagt Strache. Das Publikum ist begeistert.

Die Salzburger Parteispaltung streift er nur am Rande. Karl Schnell habe viel Gutes für die FPÖ geleistet, habe sich aber wegentwickelt. Statt sich um die Partei zu kümmern, habe er als Arzt gearbeitet, aber trotzdem das Geld als Landtagsklubobmann kassiert, bemüht Strache wieder einmal den bekannten Neidkomplex aus der blauen Rhetorikkiste – diesmal eben gegen die eigenen Leute.

Den Salzburgern wie auch den Oberösterreichern legt er die Latte hoch: In Salzburg müsse die FPÖ bei den kommenden Wahlen "die 30-Prozent-Marke anvisieren", in Oberösterreich sei man im Herbst drauf und dran, zweitstärkste Partei zu werden. Und bei den Landtagswahlen in Wien? "Über 30 Prozent, vielleicht Kopf an Kopf mit der SPÖ." Nachsatz Strache: "Wenn wir einmal Wien kippen, dann ist die SPÖ für 20 Jahre in der Bedeutungslosigkeit." (Thomas Neuhold, 30.6.2015)

  • Heinz-Christian Strache ist nach der Parteispaltung in Salzburg bemüht, möglichst viele blaue Schäfchen in seiner Herde zu halten.
    foto: standard/cremer

    Heinz-Christian Strache ist nach der Parteispaltung in Salzburg bemüht, möglichst viele blaue Schäfchen in seiner Herde zu halten.

  • FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache, der wiedergewählte FPÖ-Bezirksobmann des Flachgau, Hermann Stöllner, und Neo-Landesparteichef Andreas Schöppl.
    foto: thomas neuhold

    FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache, der wiedergewählte FPÖ-Bezirksobmann des Flachgau, Hermann Stöllner, und Neo-Landesparteichef Andreas Schöppl.

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