Italien sieht sich auf der sicheren Seite

29. Juni 2015, 18:16
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Wirtschaftsminister Padoan sieht keine Gefahr der Ansteckung

Italien ist nicht mit Griechenland zu vergleichen. Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan versuchte in einem TV-Gespräch die Italiener davon zu überzeugen, dass sie sich vor einer Ansteckung der Griechenland-Krise nicht sorgen müssten. "Italien hat bereits im Vorjahr die Neuverschuldung auf unter drei Prozent des Bruttoinlandprodukts gedrückt." Die Gesamtverschuldung (132 Prozent des BIP) werde ab 2016 sinken. Es werde wieder einen Wirtschaftsaufschwung geben.

Dieser fällt heuer mit prognostiziert 0,7 Prozent Wachstum freilich noch zaghaft aus. Jedenfalls aber ist eine Trendwende nach drei Jahren der Rezession in Sicht. Schließlich hat Regierungschef Matteo Renzi mit den dringend nötigen Reformen begonnen.

Märkte reagieren empfindlich

Italiens verarbeitende Industrie rangiert in der EU nach Deutschland auf Platz zwei. Die Argumente des Wirtschaftsministers finden den Beifall von Wirtschaftsexperten. Nicht aber jenen der Märkte.

Die Mailänder Börse hat am Montag mit Kursverlusten von vier Prozent und mehr auf einen möglichen Grexit reagiert. Und die Zinsdifferenz zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen kletterte von 125 Punkten am vergangenen Freitag auf zeitweise bis zu 200 Punkte.

Das war vorauszusehen. "Kurzfristig würden die Spreads sicher auch in den anderen südeuropäischen Ländern nach oben gehen. Aber das ist absolut überschaubar", sagte Unicredit-Chef Federico Ghizzoni noch vor Abbruch der Griechenland-Verhandlungen in der vergangenen Woche. Er meinte auch, dass ein Default gefährlicher für Griechenland wäre als für die Eurozone.

"Keine Ausstände"

Der Chef der zweitgrößten Bank Intesa Sanpaolo, Carlo Messina, bestätigte beim Forum in St. Petersburg, dass ein Grexit keinerlei Auswirkungen auf die Bankenbilanzen haben würde. "Wir haben keine Ausstände gegenüber Griechenland."

Die politische Opposition, von der Lega Nord bis zur Protestpartei M5S, fordert nun jedoch lauter denn je einen Austritt Italiens aus dem Euro und kündigte diesbezüglich ein Referendum an. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 30.6.2015)

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