E-Wirtschaft scheut Investitionen

30. Juni 2015, 10:53
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Milliarden müssten investiert werden, um auch die Leitungen bis zu den Haushalten intelligent zu machen. Die E-Wirtschaft steht auf der Bremse

Wien – Die Stromwirtschaft steht vor einer kopernikanischen Wende: Die Einwegkommunikation zwischen zentraler Erzeugung und dezentralem Verbrauch wird zunehmend übertönt von beidseitigem Dialog. Immer mehr Haushalte werden mit ihren Solaranlagen auf dem Dach selbst zu Erzeugern. Sie kaufen Strom nicht nur zu, wenn die Hausanlage zu wenig liefert, sie speisen auch Energie ins Netz ein, wenn sie zu viel davon haben. Damit dies klaglos funktioniert, müssten Stromleitungen aufgepeppt – sprich smarter – werden.

Modellregion Köstendorf

Der Beweis für die Machbarkeit hat Salzburg erbracht. In Köstendorf, einer 2550-Einwohner-Gemeinde, wurde durchgespielt, was irgendwann in ganz Österreich möglich sein soll: In einem Ortsteil, der etwa 150 Gebäude umfasst, wurde jeder zweite Haushalt mit einer Fotovoltaikanlage und mit Elektroautos ausgestattet. Mittels Smart-Grid-Komponenten wie regelbaren Ladestationen, Wechselrichtern und einem Ortsnetztransformator wurden und werden Angebot und Nachfrage so ausbalanciert, dass ein reibungsloser Betrieb sichergestellt ist. Michael Strebl, Vorstandsdirektor der Salzburg AG, wies auf einer Veranstaltung in Wien auf das starke Echo der Initiative hin, das sogar in China gehört worden sei.

Wirtschaftsstandort stärken

Technologieminister Alois Stöger (SPÖ) wies bei derselben Veranstaltung auf die Wichtigkeit der Energieforschung hin. Sie stärke den Wirtschaftsstandort. 95 Millionen Euro habe allein das Infrastrukturministerium im Vorjahr zur Förderung der Energieforschung ausgegeben, weiteres Geld werde fließen. E-Control-Vorstand Martin Graf sprach von 5,6 Mrd. Euro, die bis 2020 von der E-Wirtschaft zur Ertüchtigung der Verteilnetze ausgegeben werden müssten. Die Rahmenbedingungen passten, Förderungen gebe es auch. "Nun liegt es in der Verantwortung der Stromwirtschaft zu handeln," sagte Graf.

Viele offene Fragen

Die E-Wirtschaft aber ist, von Ausnahmen abgesehen, zurückhaltend. "Das, was in einer Modellregion gemacht wird, ist nicht das tägliche Leben", sagte Ursula Tauschek, Leiterin des Bereichs Netze im Interessenverband Österreichs Energie, dem STANDARD. Viele Fragen, die sich außerhalb des Glassturzes einer Modellregion stellten, seien ungeklärt, etwa die, wer zahlen soll und wer profitieren darf. Unklar sei auch, welche Investitionen die E-Control in welchem Ausmaß anerkennt. Das aber sei wiederum für die Finanzierung entscheidend. Tauschek: "Wenn es so einfach wär, hätten sich schon alle draufgestürzt." (Günther Strobl, 30.6.2015)

  • Stromleitungen sollen mit Milliardenaufwand intelligent gemacht werden, um zunehmende Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage bei elektrischer Energie ausgleichen zu können.
    foto: imago stock & people

    Stromleitungen sollen mit Milliardenaufwand intelligent gemacht werden, um zunehmende Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage bei elektrischer Energie ausgleichen zu können.

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