SPÖ Tirol fordert Abtreibung in öffentlichen Spitälern

30. Juni 2015, 05:30
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In allen Bundesländern außer Tirol und Vorarlberg möglich – rund 70 Prozent der Tiroler seinen für Möglichkeit, Schwangerschaftsabbrüche in Krankenhäusern durchführen zu lassen

In Wien, Niederösterreich, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, in der Steiermark und im Burgenland werden Schwangerschaftsabbrüche in öffentlichen Spitälern durchgeführt. In Tirol hingegen gebe es nur einen einzigen privaten Gynäkologen, der solche Eingriffe vornimmt, sagt Barbara Krismer vom Verein Dowas für Frauen. Beratungsstellen kritisieren seit langem, dass Abtreibungen in Tirol und Vorarlberg ein "ungelöstes Problem" darstellen würden.

"Der eine Mediziner, der in Tirol Schwangerschaftsabbrüche durchführt, hat im Jahr durchschnittlich 800 Anfragen, darüber hinaus weichen viele Frauen nach Salzburg oder Wien aus. Die Nachfrage ist enorm", sagt Krismer. Wer den Eingriff bei einem Privatarzt vornehmen lässt, müsse dafür rund 700 Euro bezahlen. "Das können sich viele auch einfach nicht leisten."

Abtreibungen "eine der häufigsten Eingriffe"

"Es ist ein grundlegendes Recht aller Frauen, selbst über ihren Körper zu bestimmen. Sexuelle und reproduktive Gesundheit gehören ganz essentiell dazu", sagt Gerhard Reheis, Klubobmann der Tiroler SPÖ. Die Sozialdemokraten wollen im kommenden Landtag nun einen Antrag einbringen, der Abtreibungen auch in Tirol an öffentlichen Krankenhäusern ermöglichen soll. "Schwangerschaftsabbrüche sind einer der häufigsten Eingriffe in der Frauenheilkunde und damit klar Aufgabe der Gesundheitspolitik", sagt die SPÖ-Gesundheitssprecherin Gabi Schiessling.

Auch der Verein Frauen im Brennpunkt fordert seit langem ein Ambulatorium für Schwangerschaftsabbrüche nach Salzburger Modell in Tirol. "Es wird immer wieder behauptet, Ärzte würden sich weigern, Abtreibungen durchzuführen. Doch dieses Argument ist absolut fadenscheinig", sagt Vereinsgeschäftsführerin Itta Tenschert. "Die derzeitige Gesetzeslage lässt es schließlich zu, dass bei Verdacht auf eine Behinderung die Schwangerschaft bis zur Geburt abgebrochen werden darf. Diese Eingriffe nehmen Tiroler Ärzte ja auch vor."

"Politisch ein absolutes Tabuthema"

"Bei uns haben sich durchaus Ärzte gemeldet, die keinen Gewissenskonflikt haben und unsere Forderungen unterstützen", sagt Tirols SPÖ-Frauensprecherin Selma Yildirim. Laut einer Umfrage des Frauenministeriums würden sich rund 70 Prozent der Tiroler für die Möglichkeit aussprechen, Schwangerschaftsabbrüche an öffentlichen Spitälern durchzuführen – das liegt nur leicht unter dem österreichweiten Schnitt.

"In Tirol ist das politisch ein absolutes Tabuthema. Die Politik ist nun gefordert, endlich etwas zu tun", sagt Krismer. (Katharina Mittelstaedt, 30.6.2015)

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