Nach Dragon-Absturz: Versorgungsflug zur ISS am Freitag

29. Juni 2015, 15:06
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Ende der Woche soll eine russische Progress mit Lebensmitteln und Werkzeugen an Bord zur Internationalen Raumstation aufbrechen

Moskau/Cape Canaveral – Nach dem Absturz des US-Raumfrachters Dragon am Sonntag richten sich die Hoffnungen nun auf einen bevorstehenden russischen Versorgungsflug zur Internationalen Raumstation (ISS). Die Progress mit zweieinhalb Tonnen Fracht soll planmäßig an diesem Freitag vom Weltraumbahnhof in Baikonur starten, meldeten russische Agenturen am Montag.

Russland hatte den USA angeboten, nach der schweren Panne vom Sonntag Ausrüstung mit zur ISS zu nehmen. Die dort befindlichen Astronauten benötigen unter anderem neue Raumanzüge sowie Geräte für einen Außeneinsatz, der ursprünglich für den 17. August geplant war, sich nun aber verzögern könnte. Probleme mit der Ernährung der dreiköpfigen ISS-Besatzung gebe es aber nicht.

Kein Versorgungsengpass

Trotz des Verlustes des unbemannten Dragon-Transporters gehe die Arbeit an Bord der ISS in rund 400 Kilometern über der Erde wie gewohnt weiter, teilte die Raumfahrtbehörde Roskosmos in Moskau mit. Es gebe bisher keinen Engpass bei der Versorgung, so Alexander Agurejew von der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Im Ernstfall könnten Astronauten und Kosmonauten sich Rationen teilen. "Eine solche Praxis gibt es", sagte Agurejew. Oft würden auf der ISS Mahlzeiten gemeinsam eingenommen. Die Nahrungs- und Essensvorräte würden noch für mehrere Monate ausreichen. Zudem gebe es für weitere 40 Tage Notrationen.

Bisher gebe es keinerlei Einschränkungen im Speiseplan, betonte der Wissenschafter. Dieser sei zyklisch für 16 Tage ausgelegt, danach wiederhole sich die Reihenfolge der Mahlzeiten. Die Progress soll nun Fleisch- und Fischkonserven zur Raumstation bringen, außerdem frische Äpfel, Tomaten, Orangen, Zwiebeln und Knoblauch sowie süßes Gebäck.

Nachschub auch aus Japan

Außerdem soll am 16. August ein japanischer Raumtransporter zur ISS starten – ebenfalls mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Sauerstoff. Angesichts der Verluste von zwei Versorgungsschiffen in den vergangenen zwei Monaten hoffen Russen und Amerikaner jetzt darauf, dass der Nachschub ankommt. Ende April hatte Roskosmos ein unbemanntes Raumschiff mit zweieinhalb Tonnen Fracht verloren.

Am gestrigen Sonntag hätte der US-Raumfrachter Dragon rund zwei Tonnen Nachschub und wissenschaftliche Geräte zur ISS bringen sollen. "Wir werden eng mit (der privaten Betreiberfirma, Anm. d. Red.) SpaceX zusammenarbeiten, um zu verstehen, was passiert ist, dann werden wir das Problem beheben und wieder fliegen", erklärte NASA-Chef Charles Bolden nach dem Unglück.

Schwerelosigkeits-Rekord

Unterdessen gab es einen neuen Rekord im Orbit: Der Kosmonaut Gennadi Padalka (57) verbrachte am Montag seinen insgesamt 804. Tag im All. Kein Raumfahrer arbeitete bisher länger in der Schwerelosigkeit als er. Padalka überholte damit seinen Landsmann Sergej Krikaljow, der sich zwischen 1988 und 2005 insgesamt 803 Tage im Kosmos aufhielt. Krikaljow benötigte dafür sechs Flüge, unter anderem im Space Shuttle. Padalka befindet sich gerade auf seiner fünften Mission. Mitte September soll er nach fast einem halben Jahr zur Erde zurückkehren. (APA, red, 29.6.2015)

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