1,3 Milliarden: TV-Rechte für Olympia 2018 bis 2024 in Europa an Discovery

29. Juni 2015, 14:51
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Mit Tochter Eurosport – Sublizenzierungen geplant – ORF "blickt Verhandlungen entgegen"

München/Lausanne/Wien – Der US-Fernsehkonzern Discovery erhält nach eigenen Angaben vom Montag "exklusiv" die Fernseh- und Onlinerechte für Europa an den Olympischen Spielen von 2018 bis 2024 vom IOC. Discovery tritt mit seiner Konzerntochter Eurosport auf und kündigt auch einen Olympia-Kanal an.

In der Discovery-Aussendung ist von "geschätzten" Rechtekosten von 1,3 Milliarden Euro die Rede.

Sub-Rechte für andere Sender

Sublizenzierungen an andere Sender seien geplant, heißt es in einer Aussendung von Discovery. "Mit durchschnittlich zehn Sendern pro Markt und den führenden Online- und OTT-Sportangeboten werden Discovery und Eurosport für eine größere Reichweite sorgen, auf mehr Bildschirmen als je zuvor – über 700 Millionen Zuschauer in ganz Europa werden die Spiele sehen können", heißt es in der Aussendung: "Die Berichterstattung von Discovery und Eurosport wird durch eine breite Free-TV-Abdeckung und innovative Partnerschaften mit Rundfunkanstalten und Distributoren ergänzt."

Die Vereinbarung umfasst laut Discovery die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018, die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 sowie die Olympischen Spiele 2022 und 2024, deren Austragungsorte noch nicht feststehen.

Discovery hat nach eigenen Angaben die Rechte für alle Regionen in Europa mit Ausnahme Russlands erworben, in Großbritannien und Frankreich nur die Rechte für 2022 und 2024.

ORF "blickt Verhandlungen entgegen"

Wie sieht der ORF den Paket-Deal? Vorerst eher vage die Antwort vom Küniglberg: "Der ORF blickt möglichen Verhandlungen mit Discovery ebenso entgegen, wie dies beim Erwerb der Olympia-Rechte 2014 und 2016 gegenüber dem Rechteinhaber Sportfive der Fall war."

Offen blieb zunächst, ob ARD, ZDF oder auch der ORF Sublizenzen von der Eurosport-Mutter Discovery erwerben können.

"Bereit zu Verhandlungen"

IOC-Präsident Thomas Bach sah die öffentlich-rechtlichen Anstalten bei einer internationalen Telefon-Schaltkonferenz am Nachmittag noch nicht aus dem Rennen. "Die Rechte sind im Moment exklusiv in den Händen von Discovery Communications und Eurosport. Aber sie sind bereit, Verhandlungen aufzunehmen über Abkommen mit anderen Übertragungsanstalten", sagte Bach auf Anfrage der dpa.

Der überraschende Mega-Deal mit Discovery und Eurosport, der die öffentlich-rechtlichen Sender kalt erwischt hatte, bedeute nicht, "dass jetzt irgendjemand aus dem Rennen ist. Wer im Rennen sein möchte, kann sich jederzeit an Discovery wenden", meinte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees. "Sie haben gehört, wie offen Discovery ist, da in Diskussionen oder Verhandlungen einzutreten."

ARD und ZDF irritiert

ARD und ZDF teilten in einer Stellungnahme mit, die Entscheidung des IOC "zur Kenntnis" zu nehmen. Zugleich gab man sich ratlos bis entsetzt: "ARD und ZDF hatten ein angemessenes Angebot abgegeben. ARD und ZDF sind langjährige Partner des IOC und berichten nicht nur bei den Olympischen Spielen, sondern auch in den Jahren zwischen den Spielen kontinuierlich über olympische Sportarten. Damit tragen ARD und ZDF in wesentlichem Maße zur Popularisierung der olympischen Sportarten bei. Aus der Pressemitteilung des IOC geht nicht hervor, was die Rechtevergabe an die internationale Sendergruppe für den deutschen Fernsehmarkt bedeutet."

Beim ORF hofft man – siehe oben – jedenfalls noch auf eine Sub-Lizenz.

Eurosport präsent

Die öffentlich-rechtlichen Sender Europas waren bisher Dauer-Partner des IOC. Sie berichten auch im kommenden Jahr von den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Discovery hat für das exklusive Rechtepaket 1,3 Milliarden Euro an das Internationale Olympische Komitee bezahlt. Das Unternehmen sendet unter anderem über seine Tochter Eurosport. In Deutschland und Österreich ist der Spartensender im Gegensatz zu anderen Ländern frei empfangbar. Eine Sublizenzierung für Free-TV wäre also theoretisch nicht notwendig.

Es dürfte wohl eine Frage des Preises werden, ob ARD, ZDF und ORF bei Olympia noch zum Zug kommen. (red, APA 29.6.2015)

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    foto: apa / alexander demianchuk
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