Lichtscheue Blutsauger: Forscher entdecken sechs neue "Vampirameisen"

5. Juli 2015, 18:21
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Neue Spezies der Ameisengattung Prionopelta beschrieben, die sich teilweise durch ihren außergewöhnlichen Lebensstil einen Namen machen

San Francisco – Wieviele Ameisenarten die Erde eigentlich bevölkern, ist unklar. Schätzungen gehen von bis zu 22.000 unterschiedlichen Spezies aus, etwa 12.500 konnten bisher klassifiziert werden. Der Erfolg der staatenbildenden Insekten ist jedenfalls unschwer erkennbar: Mit Ausnahme von Antarktika und einiger weniger unwirtlicher Inseln haben sie sämtliche Landmassen der Erde kolonisiert.

Forscher der California Academy of Sciences haben nun sechs neue Arten der Gattung Prionopelta beschrieben, die auf Madagaskar und den Seychellen heimisch sind und vor allem durch ihren Lebensstil faszinieren. Nicht von ungefähr erhielt etwa eine der Arten den Namen Prionopelta vampira.

Ein Leben unter Tage

Eine Auffälligkeit aller bekannten Arten dieser Gattung ist ihre Unauffälligkeit: Sie werden kaum jemals von Menschen wahrgenommen, da sie einerseits mit einer Körperlänge von gerade einmal 1,5 Millimetern sehr klein sind, andererseits ausschließlich unterirdisch oder in Totholz jagen und leben. Die wenigsten Individuen erblicken im Laufe ihres Lebens auch nur ein einziges Mal die Sonne.

Zudem leben die Ameisen in überaus kleinen Staaten, oft mit weniger als hundert Arbeiterinnen. In ihren verborgenen Territorien gehen sie in der Gruppe auf Jagd – zumeist nach erheblich größeren Beutetieren, etwa Käferlarven und Hundertfüßern.

Hämolymphe-Schmaus

Die Scheu vor Licht ist aber nicht das einzige vampireske an den Tieren: Von einigen Arten ist eine spezielle Form des Kannibalismus bekannt, nämlich das Trinken von "Blut" eigener Larven. Bei dieser als Larval Hemolymph Feeding (LHF) bekannten Praxis verletzt die Königin Jungtiere, um sich an ihrer zirkulierenden Körperflüssigkeit zu laben und Nährstoffe zu tanken. Dies trifft erwartungsgemäß auch auf die nun im Fachblatt "ZooKeys" beschriebene Art Prionopelta vampira zu.

Alle neu beschriebenen Arten sind Endemiten: Fünf davon kommen ausschließlich auf Madagaskar vor, eine nur auf den Seychellen. Die Zahl der bekannten Arten der Gattung Prionopelta stieg damit von 15 auf 21.

Sieht man einmal von den ungewöhnlichen Kannibalismuseskapaden einiger Arten ab, kann von einer schlechten Behandlung der Nachkommen übrigens keine Rede sein: Als große Ausnahme unter den Ameisen tragen sie die Larven aus dem Nest zum erlegten Beutetier, um diese selbständig fressen zu lassen. (dare, 5. 7. 2015)

  • Aufnahme der Jagdausrüstung von Prionopelta vampira: den Mundwerkzeugen (Mandibeln).
    foto: california academy of sciences

    Aufnahme der Jagdausrüstung von Prionopelta vampira: den Mundwerkzeugen (Mandibeln).

  • Arbeiterin einer weiteren neu beschriebenen Spezies, Prionopelta subtilis.
    foto: california academy of sciences

    Arbeiterin einer weiteren neu beschriebenen Spezies, Prionopelta subtilis.

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