Anschlag in Sousse: Festnahmen im Umfeld des Täters

29. Juni 2015, 16:13
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Cameron spricht von "absolut entsetzlicher Attacke"

Sousse/Tunis – Nach dem Anschlag auf ein Hotel in Tunesien mit 38 Toten hat die Regierung Festnahmen bekanntgegeben. Eine "erste Gruppe" sei gefasst worden, "eine bedeutende Anzahl von Menschen aus dem Netzwerk", das hinter dem Täter gestanden habe, sagte der tunesische Innenminister Najem Gharsalli am Montag in Sousse bei einer Pressekonferenz.

Die britische Regierung hat eine Militärmaschine losgeschickt, um Tote und Verletzte auszufliegen. Das Transportflugzeug der britischen Luftwaffe vom Typ Boeing C17 solle bei der "Evakuierung der Opfer" helfen, sagte Premierminister David Cameron am Montag dem Rundfunksender BBC.

Außerdem sollten die Leichen der Anschlagsopfer zurück nach Großbritannien gebracht werden. Cameron sprach von einer "absolut entsetzlichen Attacke", die das ganze Land und die ganze Welt schockiert habe.

Vater von Täter distanziert sich

Am Freitag hatte ein Attentäter am Strand in Port El Kantaoui nahe Sousse 38 Menschen getötet und 39 weitere verletzt. Die meisten Todesopfer kamen aus Großbritannien. Die Regierung in London sprach von mindestens 15 getöteten Briten. Medienberichten zufolge könnten aber mehr als 30 Briten getötet worden sein. Dies ist die höchste Zahl britischer Anschlagsopfer seit den Anschlägen in London im Juli 2005. Weitere Opfer kamen aus Irland, Belgien und Portugal. Auch zwei deutsche Todesopfer wurden identifiziert.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich bei dem Täter um einen 24-jährigen Studenten der Universität in Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Er hatte das Strandhotel Imperial Marhaba in dem Mittelmeerort Sousse überfallen und am belebten Strand das Feuer eröffnet. Zu dem Anschlag bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung.

Der Vater des Attentäters distanzierte sich von seinem Sohn. "Nur Gott weiß, was meinen Sohn zu dieser Tat gebracht hat. Ich habe meinen Sohn nicht so erzogen. Nicht dazu erzogen, dass er Menschen tötet", sagte der in der nordtunesischen Stadt Gaafour lebende Mann in den ARD-"Tagesthemen". Er sehe die Bilder der Opfer vor seinen Augen und könne nicht nachvollziehen, wie sein Sohn unschuldige Menschen habe töten können. "Irgendwelche Leute müssen meinen Sohn indoktriniert haben, dass er so etwas tut." Er habe keine Anzeichen für extremistisches Verhalten gezeigt.

Innenminister in Tunesien

Am Montagmittag will die britische Innenministerin Theresa May zusammen mit dem deutschen Innenminister Thomas de Maizière und ihrem französischen Kollegen Bernard Cazeneuve Tunesien besuchen. De Maizière will damit nach Angaben des Innenministeriums dem tunesischen Volk seine Solidarität ausdrücken. (APA, 29.6.2015)

  • Die Innenminister Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs und Tunesiens legen Blumen am Tatort nieder.
    foto: reuters/bensemra

    Die Innenminister Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs und Tunesiens legen Blumen am Tatort nieder.

  • Der Strand wird nun von Spezialkräften bewacht.
    foto: reuters/bensemra

    Der Strand wird nun von Spezialkräften bewacht.

  • Die Strandliegen vor dem Hotel sind seit dem Anschlag leer.
    foto: reuters/bensemra

    Die Strandliegen vor dem Hotel sind seit dem Anschlag leer.

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