Ex-Telekom-Chef Nemsic: Wusste nichts über Zahlung an Mensdorff

29. Juni 2015, 12:42
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Ehemaliger Vorstandsvorsitzender sagte zur Zahlung der Telekom an Mensdorff-Pouilly aus

Wien – Im Tetron-Prozess gegen den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly und den ehemaligen Telekom-Vorstand Rudolf Fischer war am Montag der Ex-Vorstandsvorsitzende der TA, Boris Nemsic, als Zeuge geladen. Von den Zahlungen an Mensdorff habe er erst aus den Medien erfahren, sagte Nemsic.

Er war im Amt, als der Vertrag zwischen Mensdorff-Pouilly und der Telekom abgeschlossen wurde, der dem Lobbyisten 1,1 Millionen Euro sicherte. Die Staatsanwaltschaft hat keine Gegenleistungen für das Geld gefunden und Fischer und Mensdorff-Pouilly deshalb wegen Untreue und Beitragstäterschaft zur Untreue angeklagt. Die beiden Angeklagten bestreiten die Vorwürfe und geben an, dass Mensdorff-Pouilly für das Geld Beratungen rund um das Konsortium Tetron sowie über mögliche Akquirierungen in Südosteuropa geleistet hat.

Keine Wahrnehmungen zu Mensdorff

Nemsic sagte im Zeugenstand aus, dass er "keine Wahrnehmungen" zur Zahlung an Alfons Mensdorff-Pouilly gehabt habe. Kronzeuge und Ex-Telekom-Vorstand Gernot Schieszler hatte am Donnerstag ausgesagt, dass er Nemsic von einer offenen Rechnung an Mensdorff-Pouilly informiert habe. "Er hat den Kopf geschüttelt und ist weggegangen", sagte Schieszler. Er könne sich daran nicht erinnern, sagte Nemsic. Er könne auch nichts von der Zahlung an Mensdorff-Pouilly gewusst haben, weil er damals an keiner operativen Entscheidung beteiligt gewesen war, da er kurz darauf aus dem Unternehmen ausschied.

Zu der Tatsache, dass Mensdorff-Pouilly erst Jahre nach seinen Beratungen rund um Tetron und Südosteuropa von der Telekom bezahlt wurde, sagte Nemsic, dass es durchaus üblich sei, Berater erst später zu bezahlen, wenn die Informationen nützlich gewesen seien. "Ein Investmentbanker hat 90 Prozent Leerlauf."

Zu möglichen Unternehmensübernahmen in Osteuropa sagte Nemsic, dass die Telekom vor allem im Mobilbereich ausbauen wollte und nicht im Festnetzbereich. "Das war die Strategie." Es sei aber durchaus möglich, dass man sich im Festnetzbereich nach Unternehmen umgeschaut habe, die man übernehmen könnte. Zukäufe im Festnetzgeschäft seien aber nicht spruchreif geworden. "Es wurde meinen Erinnerungen nach nie eine konkrete Sache in den Aufsichtsrat gebracht", so Nemsic.

Beratung "normal"

Er selbst habe keine Beratung zu Osteuropa gebraucht, weil er viele Kontakte dorthin habe und die Sprache spreche. Es sei aber normal, dass man sich von Leuten beraten lässt, die Kontakte und Netzwerke in dem Land haben. "Keiner ist so gescheit, dass er alles alleine machen kann."

Die Möglichkeit, dass sich Fischer von Nemsic über Osteuropa beraten ließ, schloss der Zeuge durch seine Berichte über die Konkurrenzsituation innerhalb der Telekom aus. Wenn Fischer ihn angesprochen hätte, hätte er ihm das Projekt sofort abgedreht, berichtete Nemsic. (Lisa Kogelnik, 29.6.2015)

Hintergrund

In der Causa Tetron geht es um die Neuvergabe des Blaulichtfunks durch den damaligen Innenminister Ernst Strasser (ÖVP). Schmiergeldverdacht steht im Raum. Lobbyist Mensdorff-Pouilly soll über mehrere Jahre hinweg insgesamt 4,4 Millionen Euro von Alcatel, Motorola und Telekom kassiert haben. Die genannten Unternehmen mit ihrem Konsortium Tetron hatten den Auftrag bekommen. Dem ursprünglich siegreichen Konsortium "mastertalk" wurden später 30 Millionen Euro Schadenersatz auf Steuerzahlerkosten gezahlt.

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Ticker-Nachlese vom dritten Prozesstag

  • Der Ex-Telekom-Chef Boris Nemsic
    foto: apa/neubauer

    Der Ex-Telekom-Chef Boris Nemsic

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