Ab in den Sommer: Zeit zum Anbraten

Blog30. Juni 2015, 07:00
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Nichts gibt ein perfekteres Urlaubsgefühl, als am Strand in der Sonne zu liegen. Manche riskieren dafür Kopf und Kragen – die Frage ist, warum

Es gibt Formen von Selbstverletzung, die sehen gar nicht so aus. Hand aufs Herz: Wer hatte dieses Jahr schon einen Sonnenbrand? Also jene rote Haut, die, wenn man mit dem Daumen draufdrückt, an der Stelle weiß bleibt oder vielleicht sogar ein bisschen brennt. Ich gebe zu, es ist mir passiert. Nicht arg zwar, aber doch.

Ich war beim Einschmieren unaufmerksam und hatte ganz den rechten Oberarm vergessen. Schwamm drüber, dachte ich. Aber mitnichten. Die Hautzellen in meinem rechten Oberarm merken sich diese Schlampigkeit – und werden es mich langfristig möglicherweise spüren lassen.

In Bezug auf UV-Strahlen haben Hautzellen ein lebenslanges Langzeitgedächtnis. Jetzt kann man das verharmlosen. Die Sonne gibt es, seit es die Menschen gibt, und früher gab es auch keine Sonnencreme und so weiter. Genau das passiert ja auch millionenfach jeden Sommer wieder.

Der Knack mit dem Braunsein

Der Grund: Jeder, der mit ein bisschen Farbe aus dem Urlaub zurückkommt, hört Komplimente wie: "Du siehst echt gut und erholt aus". Viel ehrlicher wäre, angesichts einer knackebraunen Farbe zu fragen: "Oh Gott, züchtest du Hautkrebs?"

Das sagt aber niemand, und insofern bleibt nur die Selbstregulierung. Klar, Sonnenbräune lässt Makel wie rote Äderchen oder Hautunreinheiten verschwinden. Und ja, um bei den kurzen Röcke und Shorts mitmachen zu können, sind käseweiße Beine nicht ideal. Die Lösung: an der Sonnendosis schrauben – nie mittags, immer nur morgens und abends, und unbedingt immer mit Sonnenschirm unterwegs sein.

Und zweitens: einschmieren. Da geht es darum, die eigene Faulheit zu überwinden. Gerade im Urlaub ist es auch mit der Disziplin nicht besonders gut gestellt. Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Über das Dilemma mit der schönen Bräune haben auch die vielen Kosmetikkonzerne nachgedacht.

Neue Generation Sonnenschutz

Die Parole heißt also: Wer weiter braten will, sollte Neues ausprobieren. Zum Verdecken der Hautunebenheiten gibt es getönte Sonnencremes. BB-Sonnencremes heißen sie, und manche haben ein bisschen Selbstbräunungseffekte (Ladival, La Roche-Posay, Biotherm). Das reduziert die UV-Dosis und ist deshalb eine gute Sache.

Gegen sehr weiße Beine könnte auch einfach nur Bodylotion mit Farbe (Guerlain, Caudalie) wirken. Da machen Shorts viel Spaß.

Die Wasserfestigkeit ist ein Kriterium: Im Wasser reflektieren UV-Strahlen und wirken doppelt so stark, und wer sportelt, sollte immer auch an den Schweiß denken. Wasserfest ist seit neuestem auch schwitzfest (Nivea, Ambre Solaire, Biotherm) und die Haut ein Stück mehr gerettet.

Eine andere Möglichkeit: abends beim Ausgehen wie von der Sonne geküsst wirken. Das machen Bronzing Powders (Mabelline, Clinique, Gurlain, iQCosemtics, Artedeco, La Prairie, MAC). Sieht aus wie braunes Rouge und wird auch so aufgetragen. Also Wangen, Haaransatz, Kinn. Der Effekt ist fantastisch – wenn Komplimente eine Messlatte dafür sind.

Patzer auf der Haut

Alle, die im Streben nach "fishing for compliment" weiter in der Sonne braten, sollten sich Gedanken über ihre Melaninproduktion machen. Melanin ist der Stoff, der die Haut braun färbt. Die traurige Wahrheit: So ungefähr in der Mitte des Lebens sieht man, dass die Melaninzellen plötzlich nicht mehr so einwandfrei funktionieren, sondern plötzlich "Patzer" auf der Haut produzieren. Wer denkt, es seien Sommersprossen, irrt. Diese Flecken werden nie wieder weggehen – es sind Altersflecken, auch sie eine Folge von UV-Überdosis.

Wer jetzt noch immer Lust am In-der-Sonne-Braten hat, möge sich also für einen ganz hohen Sonnenschutz entscheiden – bis zum allerletzten Sonnenbad. Eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 ist heute keine dicke, fettige Paste mehr, die einen Film auf der Haut hinterlässt, sondern tatsächlich angenehm (La Roche-Posay, Vichy, Lancaster), fast medizinisch (Ateia, Ladival, Daylong) und geruchstechnisch ein Wohlgenuss (Sensai, Sisley, Biotherm).

Schmieren, schmieren, schmieren

Wer sich drei- bis viermal täglich mit ausreichender Menge einschmiert, gönnt seiner Haut auch eine Feuchtigkeitskur. So viele Streicheleinheiten wie im Sommer gibt es das ganze Jahr über nicht. Auch in Ölen (Clarins) ist Lichtschutzfaktor drin, eine technologische Errungenschaft, die die Haut glänzen lässt. Vor allem auch langfristig.

Denn eines Tages, wenn ich alt bin, möchte ich immer noch am Strand liegen und in der Sonne spazieren gehen können. Leute, die zu braun aus dem Urlaub zurückkommen, sind Hautkrebskandidaten. Für sie ist Sonne dann wirklich tabu. Und das kann einem leid tun – Komplimente hin oder her. (Karin Pollack, 30.6.2015)

  • Sonnenbaden sollte auf die Morgen- und Abendstunden beschränkt werden.
    foto: reuters/doherty

    Sonnenbaden sollte auf die Morgen- und Abendstunden beschränkt werden.

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