Fashion Week: Pariser Buberlpartie mit Damenbegleitung

29. Juni 2015, 11:45
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In den letzten Tagen der Pariser Modewoche liefen neben langhaarigen Buberln und harten Jungs auch Frauen wie Naomi Campbell oder Kendall Jenner über die Laufstege

Hedi Slimanes aktuelle Liebe gilt der Kalifornischen Surfer-Kultur und natürlich: der jugendlichen Leichtigkeit. Für die Kollektion ließ sich der Designer vom kalifornischen Künstler Billy Al Bengston inspirieren. Ausgefranste Karo- und Camouflage-Hemden, dazu Jeanswesten, bunte Satin-Bomber, Pudelmützen, Trucker-Kappen: bei Saint Laurent muss es unter Slimane aber letztlich so aussehen, als sei das alles direkt aus irgendeiner kalifornischen Vintage-Kiste geangelt worden. Außerdem Blumenmuster und lange Haare für die Bengel, knappe Blümchenkleidchen für die Mädchen, die immerhin über ein Viertel der Looks stellten.

Im Publikum saßen unter anderem Gary Oldman und Pierce Brosnan, die ihren Söhnen auf dem Laufsteg zusahen. Sie sollen von Hedi Slimane auf der Straße entdeckt worden sein. Der Designer verpasste den Buberln dafür Kurt Cobains legendäres weißes Brillenmodell. Bemerkenswert: Hedi Slimane, der immerhin die Erfindung der Skinny für sich beansprucht, schmuggelte tatsächlich einige leicht ausgestellte Hosen unter die Looks.

foto: ap/scheurer/apa/epa/langsdon

Riccardo Tisci, seit zehn Jahren Designer für Givenchy, schickte schwere Jungs über den Laufsteg. Die allerdings mit einem Faible für den leidenden Jesus Christus, der am Kreuz oder mit Dornenkrone, auf Shorts und Shirts appliziert wurde. Der Italiener Tisci hat seine katholischen Wurzeln eben nicht vergessen. Dazwischen zehn Frauen-Couture-Outfits, vorgetragen von den angesagtesten Model-Ikonen von heute: Kendall Jenner, Candice Swanepoel, Irina Shayk, Joan Smalls stahlen als Verführerinnen in feiner Wäsche, einsehbar durch transparente Spitzenkleider, mit hoch gedrückten Brüsten, Kreuzketten um den Hals und riesigen Kreolen in den Ohren, den Christus-Ikonen locker die Show. Zum Schluss marschierte Naomi Campbell als Bad Girl auf. Mit nichts als Minihöschen und BH unterm Blazer.

foto: apa/epa/horcajuelo/ap/scheurer
Givenchy
foto: apa/epa/horcajuelo/ap/scheurer
Frauenauftritt bei Givenchy: Irina Shayk, Naomi Campbell, Kenadall Jenner.

Designer Kris van Assche ließ seine Models im Tennis Club Paris durch ein Meer an weißen Rosensträuchern, Christian Diors Lieblingsblume, laufen. So weit, so konventionell. Die Show begann denn auch mit einem Dreiteiler überm hellblauen Button Down-Hemd. Stück für Stück wurde dann Konventionen zugunsten des "cool Bourgeoisen" aufgebrochen: Mit der Kombination aus Camouflage und Rautenmuster, wie sie sonst auf dem Golfplatz getragen werden. Oder mittels Bomberjacken und der Farbe Orange, die die Farbe des Innenfutters des MA1-Fliegerjacken-Klassikers zitierte. Letztlich ist Distinktion bei Dior allerdings eine Sache der Details. Eines der hübschesten in dieser Saison: die Keramik-Anhänger der Künstlerin Kristin McKirdy, die einige Models um den Hals trugen.

foto: apa/epa/horcajuelo
Dior

Ausgerechnet wenige Tage vor den Männermodeschauen hatte die Tierrechtsorganisation PETA ein Video veröffentlicht, das auf die Haltung und Tötung von Krokodilen für die Hermès-Birkin-Bag hinwies. Im letzten Jahr hatte die Männerkollektion, die seit Ende der Achtziger von Designerin Véronique Nichanian entworfen wird, immerhin eine Bomberjacke aus Krokodil-Leder beinhaltet. Diesmal waren natürlich wieder jede Menge Lederoberteile dabei. Am bemerkenswertesten aber wohl die reizvollen Farbkombinationen und die vereinzelt asymmetrisch übergestreuten Muster. Eine rostrote Jacke zu zart mintfarbenen Hosen zum Beispiel oder ein rotes Shirt zu braunen Hosen. Um die Hälse der Models: locker geknotete Seidentücher.

foto: ap/camus
Hermès

Show-Produzent Etienne Russo, der in den letzten Jahren schon für so manches spektakuläre Modeschauen-Setting verantwortlich war, schüttete für Humberto Leon und Carol Lim von Kenzo diesmal Sand, Basalt, Geröll auf. Thema der Kollektion allerdings: das Fallschirmspringen, abzulesen am "Pull"-Kommando auf dem Shirt des letzten Looks, aber auch an den eingezogenen Schnüren in Parkas, Cargo-Hosen, einigen Overalls, von zitronenfaltergelb bis olivgrün. Dazu überdimensionierte beutelartige Rucksäcke. Alles in allem eine Spielerei sportlicher und formeller Elemente: Blazer wurden in weite Hosen mit Tunnelzug gesteckt. Und ja, das funktionierte.

foto: ap/remy de la mauviniere
Kenzo

Seit letztem Herbst designt John Galliano für Maison Margiela. Die Männerkollektion hatte allerdings nicht Galliano zu verantworten, sondern das Margiela-Kollektiv, wurde kurz vor der Show bekannt. Die Sommerkollektion, in einer Industrie-Halle vorgeführt, mehr klassisch als gewagt: Einige cleane schwarze, scharf geschnittene Looks, manche mit Nieten-Details, jede Menge lange Mäntel, darunter ein rostroter Trenchcoat, ärmellose überknielange Westen, heruntergeschoppte, um die Hüfte gebundene silberne Lederwesten, darunter transparente ärmellose Shirts mit applizierten Collagen, die nach Papier-mâché aussahen. Wenn die Margiela-Models nicht Sandalen trugen, dann genietete Lederschuhe.

foto: apa/epa/horcajuelo
Maison Margiela

(Anne Feldkamp, 29.6.2015)

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