Griechische Banken bleiben bis 6. Juli geschlossen

29. Juni 2015, 06:57
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Regierung in Athen: Tägliche Abhebungen auf 60 Euro limitiert – Keine Beschränkung für Ausländer

Athen – Angesichts der akuten Schuldenkrise Griechenlands bleiben die Banken des Landes bis zum 6. Juli geschlossen. Das wurde in einer in der Nacht auf Montag in Athen veröffentlichten amtlichen Mitteilung festgelegt. Die täglichen Barabhebungen an Bankomaten werden demnach für Griechen auf 60 Euro pro Tag beschränkt.

Ausländer dürfen unbegrenzt abheben

Trotz der Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland sollen ausländische Besucher weiter unbegrenzt Geld an Automaten des Urlaubslandes abheben können. Die Einschränkungen würden nicht für Besucher aus dem Ausland gelten, wenn diese "mit einer in ihrem Herkunftsland ausgestellten Kreditkarte Transaktionen und Abhebungen" vornehmen wollten, teilte die Regierung in Athen in der Nacht auf Montag mit.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte am Sonntagabend in einer Fernsehansprache angekündigt, dass die Banken in Griechenland am Montag vorerst geschlossen blieben. Der Bankensektor solle mit Kapitalverkehrskontrollen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.

Leere Bankomaten

Einige Griechen berichteten am Sonntag, dass einige Bankomaten bereits leer seien, so dass an ihnen kein Geld mehr abgehoben werden konnte. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte ebenso wie das österreichische Außenministerium am Sonntag Griechenland-Reisenden geraten, sich im Voraus mit ausreichend Bargeld zu versorgen. In Griechenland könne es bei der Bargeldversorgung "zu erheblichen Wartezeiten" sowie zu "Engpässen, beispielsweise bei der Ausstattung der Automaten mit Bargeld" kommen, hieß es in den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen des Ministeriums.

Die Lage in Griechenland hatte sich am Wochenende drastisch verschärft: Aus Sorge um ihre Ersparnisse versuchten zahlreiche Griechen, ihr Geld abzuheben. Vor Bankomaten bildeten sich lange Schlangen.

Griechenland steuert auf einen Bankrott zu; es droht Finanzchaos. Tsipras hatte in der Nacht auf Samstag überraschend ein Referendum über die Vorschläge der Geldgeber für den kommenden Sonntag angekündigt. Die Finanzminister der Eurozone warfen Tsipras daraufhin vor, einseitig die Verhandlungen abgebrochen zu haben, und entschieden, das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm nicht zu verlängern. Ohne frisches Geld droht Griechenland binnen weniger Tage die Pleite.

Der Regierungschef rief seine Landsleute zur Ruhe auf. Die Einlagen griechischer Bankkunden seien sicher, Löhne und Pensionen der Bürger seien "garantiert", sagte Tsipras. Die Entscheidungen der Eurogruppe und der EZB vom Wochenende hätten diese Schritte notwendig gemacht.

Zuvor hatte eine Sitzung des Finanzstabilitätsrats stattgefunden. Dabei war über die Lage des griechischen Bankensystems beraten worden. In dem Gremium sitzen der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, sein Stellvertreter Dimitris Mardas, Notenbank-Chef Yanis Stournaras, der Obmann des griechischen Bankenverbands, der Vorsitzende des Bankenrettungsfonds HFSF und der Leiter der Kapitalmarkt-Kommission.

Optimismus

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici verbreitete am Sonntag via Twitter Optimismus: Griechenland solle im Euro bleiben und die Tür für Verhandlungen sei immer noch offen.

Den Finanzmärkten steht nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern eine dramatische Handelswoche bevor. Mit Kapitalverkehrskontrollen soll üblicherweise verhindert werden, dass Geld in großen Mengen aus einem Land abfließt. Das Dekret für das Referendum am 5. Juli wurde unterdessen am Sonntag noch im Staatsblatt veröffentlicht. (APA, red, 28.6.2015)

  • Banken und Börse bleiben am Montag in Griechenland geschlossen.
    foto: apa/epa/alexandros vlachos

    Banken und Börse bleiben am Montag in Griechenland geschlossen.

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