ORF-Doku von Barbara Eder: Der Abgrund blickt zurück

29. Juni 2015, 08:13
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Menschen, die sich mit Persönlichkeitsprofilen von Massenmördern und Serienvergewaltigern beschäftigen: "Cop-Stories"-Regisseurin begleitet Profiler

Es kann der eigenen Psyche wohl kaum guttun, sich mit Persönlichkeitsprofilen von Massenmördern und Serienvergewaltigern auseinandersetzen zu müssen. Friedrich Nietzsche zufolge bleibt es nicht beim Blick in den Abgrund – dieser blickt auch zurück.

Am Sonntagabend konnte man auf ORF 2 bei Barbara Eders Blick in den Abgrund einen Eindruck der Arbeit von Profilern, forensischen Psychologen und Psychiatern bekommen. Die Fälle können sich in ihren Ausprägungen stark unterscheiden, die Belastungen für die Wissenschafter aber sind ähnlich.

Den deutschen Profiler Stephan Horbart filmt Cop-Stories-Regisseurin Eder bei einem Interview mit einem Serienmörder. Die Eindrücke sind ernüchternd profan: Mit hängenden Schultern beantwortet der Verurteilte die Fragen, die die Situation wie ein ärztliches Anamnesegespräch wirken lassen. Er versucht sich verständlich zu artikulieren und achtet darauf, präzise zu antworten. Seine Fantasien, seinen Antrieb – das Verlangen nach sexueller Befriedigung. "Ja, tot ist gut" – seine anteilnahmslose, sonore Stimme macht den Zuseher mit ihrer Unaufgeregtheit panisch.

Horbart verurteilt nicht – die Leben der meisten Mörder unterschieden sich nicht von denen anderer Menschen. Den Großteil ihrer Zeit verbringen sie wie normale Bürger. Es scheint so, als wüssten viele im Vorhinein nicht, wozu sie fähig sind – bis zu dem Zeitpunkt, an dem Fantasien und Vorstellungen ausbrechen und im Kampf um die Psyche die Oberhand gewinnen.

Natürlich geschieht dies meist in anderen Formen als Gewalt, Sadismus und Tod. Was ihnen aber gemeinsam ist, ist die Ventilfunktion. (Andreas Haberl, 29.6.2015)

  • Barbara Eder begleitet sechs international angesehene ProfilerInnen während ihrer Arbeit und Freizeit: Profiler, forensische Psychologen und Psychiater befassen sich hauptberuflich mit Mord, Vergewaltigung und Totschlag. Im Bild: Roger Depue und Robert Hazelwood mit Kopf.
    foto: orf

    Barbara Eder begleitet sechs international angesehene ProfilerInnen während ihrer Arbeit und Freizeit: Profiler, forensische Psychologen und Psychiater befassen sich hauptberuflich mit Mord, Vergewaltigung und Totschlag. Im Bild: Roger Depue und Robert Hazelwood mit Kopf.

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