Anschläge gegen Schiiten in Golfstaaten: Politisches Projekt

Kommentar28. Juni 2015, 18:29
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Radikalisierung der Gesellschaft führt zu konfessionellem Bürgerkrieg

Im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 hat die Strategie "funktioniert": Durch gezielte Anschläge von Aufständischen – einem Gemisch von radikalen Sunniten und Anhängern des alten Regimes – wurden die Ränder des schiitischen Sektors der Gesellschaft (weiter) radikalisiert und das Land in einen konfessionellen Bürgerkrieg getrieben, dessen Risse sich nie geschlossen haben.

Die irakische Krankheit hat weitere Länder ergriffen. Die Gründe sind meist politische – lokale wie der Bürgerkrieg in Syrien und die Protestbewegung in Bahrain etc. oder, auf einer Metaebene, der iranisch-saudische Hegemonialstreit. Aber im ersten Fall gehört die Herrscherfamilie Assad ursprünglich einer summarisch der Schia zugerechneten Sekte an, im zweiten rennt eine schiitische Mehrheit gegen ein sunnitisches Königshaus an, und die Konkurrenz zwischen Teheran und Riad involviert jene Länder, die sich als Schutzmächte der Schiiten respektive der Sunniten sehen. Und schon ist der Religionskonflikt da.

Der "Islamische Staat" und seine Satelliten versuchen es nun in den arabischen Monarchien am Persischen Golf, die allesamt substanzielle schiitische Minderheiten haben. Zu bereits – besonders in Saudi-Arabien zu Recht – existierenden Frustrationen soll den Schiiten beigebracht werden, dass sie ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Die Idee des IS ist aber nicht nur, Schiiten umzubringen, sondern durch die darauffolgenden Konflikte die Systeme zu stürzen. (Gudrun Harrer, 29.6.2015)

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