Faymann will "die SPÖ 2018 wieder an die erste Stelle führen"

28. Juni 2015, 17:27
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Bundeskanzler spürt bei der ÖVP derzeit keine "Es reicht"-Lust zum Absprung aus der Koalition

Wien – Werner Faymann ist überzeugt. Von sich als Kanzler. "Die Bevölkerung weiß, dass das Land stabil geführt ist." Von sich als SPÖ-Chef. "Wirklich entscheidend ist: Ich war Erster, und ich werde die SPÖ 2018 wieder an die erste Stelle führen" – mit dem Zusatz "wenn bis dahin die Arbeit stimmt". Aber auch da ist er überzeugt von sich. "Ich trete für europäische Lösungen ein und dafür, dass wir in Österreich das, was wir dann zu schultern haben, gemeinsam schultern." Stichwort Asyl und Bezirksquoten.

Er spürt keine Absprunglust bei der ÖVP

Auch von seinem Regierungspartner ÖVP ist der rote Bundeskanzler überzeugt. Derzeit "spüre" er nichts von einem drohenden Absprung der Volkspartei, deren Chef, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, ihm nach dem gescheiterten Asylgipfel recht direkt die Kanzlertauglichkeit abgesprochen hat. "Wir werden ordentlich zusammenarbeiten", meinte Faymann am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Wenngleich damit zu rechnen sei, dass SPÖ und ÖVP "dazwischen auch streiten" werden, weil: "Streiten darf man, aber davonrennen mit ,Es reicht' oder hinterrücks an einer anderen Regierungsform arbeiten darf man nicht."

Für ein "Es reicht" wie 2008 aus dem Munde des damaligen ÖVP-Chefs Wilhelm Molterer in Richtung des damaligen Kanzlers Alfred Gusenbauer (SPÖ) sieht Faymann keine Anzeichen: "Mit dem derzeitigen ÖVP-Chef wird, glaube ich, eine längere Zusammenarbeit verbunden sein."

Fakten und Relationen

Generell beklagte er, dass immer wieder "die Relationen" verloren gingen. "Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht oder im ORF kommt", empfahl der Kanzler. Denn da werde oft "so maßlos übertrieben. Bitte, es ist natürlich immer möglich, dass man das nach vorne stellt, was trennt, aber bitte übersehen Sie nicht, was die Realität ist." Die Realität sei, dass die von ihm geführte Regierung das Land "durch schwerste Zeiten geführt hat". Es müssten "die Fakten in Relationen" dargelegt werden: "Es fehlt die Relation, wie viele etwas Positives sagen", meinte er etwa, als er auf parteiinterne Kritik angesprochen wurde.

Eine neue Plattform rund um den Traiskirchner Bürgermeister Andreas Babler und öffentliche Kritik seitens Ex-Vizekanzler Hannes Androsch und Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina relativierte Faymann unter Verweis auf 400 SPÖ-Bürgermeister und rund eintausend Funktionäre mit Mandaten sowie den "Pensionisten"-Status der beiden Genannten: "Das finde ich halt auch nicht objektiv."

Die SPÖ "steht zu ihrem Vorsitzenden"

Kein SPÖ-Chef habe "vom ersten Tag an hundert Prozent Zustimmung gehabt" . Ihn hätten immerhin über 80 Prozent der Partei gewählt, und anders als die ÖVP habe die SPÖ eine Tradition: "Die steht zu ihrem Vorsitzenden."

Und wenn sich ein Neuer ins Spiel bringe, wie etwa Ex-ORF-Chef Gerhard Zeiler, der "nicht Nein sagen würde", wenn ihn die SPÖ rufen würde? "Es kann jeder über sich sagen, was er will. Dazu sage ich nichts", sagte Faymann.

Er kann "nicht jedem Index nachlaufen"

Ebenso wenig Kommentierlust erzeugte bei Faymann der jüngste APA-OGM-Vertrauensindex, der ihm Verluste bescheinigt: "Ich kann nicht jedem Index nachlaufen. Ich lese es, nehme es zur Kenntnis." (nim, 29.6.2015)

  • Werner Faymann will Kanzler und SPÖ-Vorsitzender bleiben.
    foto: apa / georg hochmuth

    Werner Faymann will Kanzler und SPÖ-Vorsitzender bleiben.

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