Österreichs Politik würdigt früheren ORF-Chef

28. Juni 2015, 18:50
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Fischer: "Viel für Prinzip der objektiven Berichterstattung geleistet" – Ostermayer: "Pionierepoche zu Ende gegangen"

Wien – Die österreichische Politik würdigte am Sonntag die Leistungen des verstorbenen langjährigen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. "Mit dem Tod von Gerd Bacher hat uns ein Vollblutjournalist verlassen, der die österreichische Medienlandschaft insbesondere den ORF in der Zweiten Republik mehr geprägt hat als irgendjemand anderer", so Bundespräsident Heinz Fischer.

"Seine Leidenschaft für das Fernsehen, seine Führungsqualitäten und seine Begeisterungsfähigkeit haben seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Spitzenleistungen motiviert, aber auch Widerspruch ausgelöst. Unter dem Strich hat aber der begeisterte Journalist und begeisterte Österreicher Gerd Bacher enorm viel für die österreichische Medienlandschaft und für das Prinzip der objektiven Berichterstattung geleistet. Sein Tod hinterlässt menschlich und fachlich eine ganz große Lücke", sagte Bundespräsident Fischer.

"Pionierepoche"

Betroffen über die Nachricht vom Tod des früheren ORF-Generals reagierte auch Medienminister Josef Ostermayer (SPÖ). "Bacher war von Anbeginn seiner Tätigkeit im Medienbereich mit Leib und Seele Journalist. Ebenso leidenschaftlich setzte er sich für seine Ideen im ORF ein, der unter seiner Führung zum Flaggschiff der österreichischen Medien wurde. Er war streitbar und ging Konfrontationen nie aus dem Weg, wenn er von einer Sache überzeugt war. Unzweifelhaft ist mit seinem Tod eine Pionierepoche des Österreichischen Rundfunks zu Ende gegangen", so Ostermayer.

Für den Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) verliert Österreich mit Bacher auch "einen brillanten Redner und großen Denker". Bachers Aufwachsen in Salzburg habe auch seine spätere föderale Geschäftspolitik im ORF mitbegleitet. "Die in der ersten Amtszeit eingeleitete Regionalisierung des Hörfunkprogrammes und die Errichtung der Landesstudios sind Beispiele für Bachers föderalistisches österreichisches Denken", sagte Haslauer.

Laut ÖVP-Mediensprecher Gernot Blümel habe Bacher mit seiner Arbeit im ORF "den Weg für eine moderne Informationsvermittlung geebnet" und sich für die "Vision eines zeitgemäßen öffentlich-rechtlichen Senders" eingesetzt und diese auch umgesetzt. "Ob als Journalist, als Chefredakteur, als Herausgeber oder als Generaldirektor – für Gerd Bacher stand stets die Unabhängigkeit zeitgemäßer Informationsvermittlung im Mittelpunkt, was uns auch heute Vorbild und Leitfaden für die Weiterentwicklung der Medien unserer Zeit sein sollte", erklärte Blümel.

Ähnlich FPÖ-Bundesparteiobmann der Heinz Christian Strache: "Bacher hat den ORF aufgebaut und geprägt wie kein anderer. Mit seinem Tod verliert Österreich einen der letzten Medienpioniere." Bacherstehe für den Aufbau des ORF, wobei er stets über alle Parteigrenzen hinweg fair gehandelt habe, so der FPÖ-Chef. Auch Grünen-Chefin Eva Glawischnig zollte dem "stets streitbaren Journalisten, der sich für seine Überzeugungen einsetzte", Respekt.

Wrabetz trauert um "hohe journalistische und programmliche Kompetenz"

Betroffen reagierte der Österreichische Rundfunk (ORF) am Sonntag auf den Tod seines langjährigen Generalintendanten Gerd Bacher. "Mit ihm verliert Österreich einen legendären Journalisten, Intellektuellen und visionären Medienmanager, der Radio und Fernsehen des Landes geprägt hat wie kein anderer", hieß es in einer Stellungnahme des öffentlich-rechtlichen Senders.

"Der Tod Gerd Bachers hat mich – und sicherlich auch sehr viele ORF-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – sehr betroffen gemacht", betonte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. "In den insgesamt zwei Jahrzehnten an der Spitze des Unternehmens hat Gerd Bacher nicht nur die Unabhängigkeit des ORF und die hohe journalistische und programmliche Kompetenz, sondern auch das große internationale Renommee des ORF begründet und stetig weiterentwickelt. Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat Gerd Bacher nicht nur höchste Professionalität und Engagement, sondern auch die Liebe zum ORF gelehrt und vorgelebt. Der ORF verliert mit Gerd Bacher eine seiner prägenden Persönlichkeiten!"

ORF-Stiftungsratsvorsitzender Dietmar Hoscher betonte, dass Bacher die Grundlagen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich geschaffen habe. "Er hat die Unabhängigkeit der ORF-Journalistinnen und -Journalisten begründet und den ORF internationalisiert wie auch regionalisiert. Wir trauern um einen großen Vordenker und Unbeirrbaren, der sich bleibende Verdienste um den ORF erworben hat", sagte Hoscher.

ORF-Publikumsratsvorsitzende Ilse Brandner-Radinger würdigte Bachers Einsatz für die Stärkung der ORF-Information. Bacher "öffnete den ORF als Fenster zur Welt", so Brandner-Radinger. "Und er hatte sein Ohr auch immer beim Publikum, richtete den Kundendienst ein und ließ verlässliche Messprogramme für Radio und Fernsehen entwickeln, um mit den ORF-Programmen noch näher bei den Menschen sein zu können. Dafür schulden wir ihm großen Respekt!"

"Medienmacher durch und durch"

Nach ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, ORF-Stiftungsrat sowie ORF-Publikumsrat würdigten weitere ORF-Direktoren Bachers Wirken. "Bacher hat den ORF in seiner Zeit mit visionären Ideen für die Zukunft vorbereitet. Auf vielen der von ihm gelegten Grundsteine können wir auch heute noch aufbauen", betonte etwa Finanzdirektor Richard Grasl. Fernsehdirektorin Kathrin Zechner hielt fest, dass "Bachers erfülltes und prägendes Leben für die österreichische Medienlandschaft den ORF und seine Familie über seinen Tod hinweg trösten". Bacher sei "Medienmacher durch und durch" gewesen. "Als Mensch mit Haltung ist er Vorbild für viele seiner Zunft, sein visionäres Handeln hat bis heute Gewicht", so Zechner.

Der frühere ORF-Chef und nunmehrige Turner Broadcasting System International-Präsident Gerhard Zeiler würdigte am Sonntag den verstorbenen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. "Den ORF in der heutigen Form würde es ohne Gerd Bacher nicht geben", erklärte Zeiler gegenüber der APA. Kein Generalintendant habe den ORF so geprägt wie er: "Er war einer der ganz großen Österreicher", so Zeiler.

Der ORF ändert in memoriam Gerd Bacher sein Programm und zeigt heute, Sonntag, um 23.00 Uhr in ORF 2 Andreas Novaks Dokumentation "Gerd Bacher". Ö1 wiederholt am Donnerstag (2. Juli) um 21.00 Uhr eine "Im Gespräch"-Ausgabe mit Bacher aus dem Jahr 2005.

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