Zarif reist zwecks Konsultationen ab

28. Juni 2015, 17:24
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Irans Außenminister will am Montag zurück in Wien sein – Gespräche werden über Deadline am 30. Juni hinaus andauern

Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif reist kurz vor der Deadline der Atomgespräche mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland für Beratungen nach Teheran zurück. Er soll Medienberichten zufolge am Montagabend wieder nach Wien zurückkehren, ein längerer Aufenthalt ist aber nicht ausgeschlossen. Beobachter halten das für ein positives Zeichen, da es bedeuten könnte, dass Zarif nun etwas in der Hand hat, was sich Teheran vorweisen lässt.

Aus iranischen sowie US-amerikanischen Verhandlungskreisen wurde am Sonntag zudem bestätigt, dass die Delegationen über den 1. Juli hinaus in Wien bleiben werden. EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte zuvor bereits von einer möglichen Verlängerung der Frist, die am 30. Juni ausläuft, gesprochen: "Wenn ein paar Tage mehr notwendig sind, werden wir uns diese Tage nehmen", sagte Mogherini am Sonntag.

Hochrangige Treffen

Vor seiner Abreise traf Zarif am Sonntag noch jeweils mit US-Außenminister John Kerry, dem britischen Außenminister John Hammond sowie dem chinesischen Außenminister Wang Yi und dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier zusammen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wird Medienberichten zufolge erst am Montagabend in Wien erwartet.

Steinmeier zeigte sich seinerseits bei der Ankunft im Wiener Palais Coburg überzeugt, dass eine Verständigung gelingen müsse, "wenn wir bei den verhandelten und vereinbarten Eckpunkten von (der Vereinbarung von, Anm.) Lausanne bleiben". Entscheidend bleibe aber die Frage der Transparenz, um sicherstellen zu können, "dass das Vereinbarte auch tatsächlich im Iran eingehalten wird", erklärte Steinmeier.

Hammond: "Wesentliche Differenzen"

Der britische Außenminister John Hammond sprach noch von "wesentlichen Differenzen" die weiterhin zwischen den Verhandlungsparteien bestünden. "Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal, es gibt rote Linien", stellte Hammond klar.

EU-Außenbeauftragte Mogherini zeigte sich optimistischer: "Der starke politische Wille aller Parteien" sei vorhanden. Die Gespräche würden zwar schwierig werden, "aber nicht unmöglich".

Möglicher Streit zwischen Mogherini und Ashton

Am Rande der Atomverhandlungen kamen Gerüchte auf, die ehemalige EU-Außenbeauftragte und Iran-Sonderbeauftragte Catherine Ashton sei von Diplomaten gebeten worden, zur finalen Gesprächsrunde nach Wien zu reisen. Um inhaltliche Differenzen soll es nicht gehen, vielmehr wird die Vorgehensweise aber als ein persönlicher Affront gegenüber Mogherini interpretiert, die versuchte, sich in den letzten Gesprächsrunden als Hauptverhandlerin zu etablieren. (Noura Maan, 28.6.2015)

  • Am Samstag zeigten sich Außenminister Kerry und Zarif noch optimistisch, nun lässt der bevorstehende Abflug Zarifs daran zweifeln, ob vor der Deadline am 30. Juni ein Deal erreicht werden kann.
    foto: ap/barria

    Am Samstag zeigten sich Außenminister Kerry und Zarif noch optimistisch, nun lässt der bevorstehende Abflug Zarifs daran zweifeln, ob vor der Deadline am 30. Juni ein Deal erreicht werden kann.

  • Zarif will am Montag wieder an den Verhandlungstisch in Wien zurückkehren.
    foto: reuters/pool

    Zarif will am Montag wieder an den Verhandlungstisch in Wien zurückkehren.

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