Trauermarsch und Gedenkfeier nach Amokfahrt in Graz

28. Juni 2015, 17:29
330 Postings

Tausende Menschen nahmen am späten Nachmittag am Gedenkzug teil

Graz – Mit einem Gedenkgottesdienst am Sonntagvormittag in der Stadtpfarrkirche in der Grazer Herrengasse hat das offizielle Gedenken für die Opfer des Amokfahrers am Samstag vor einer Woche begonnen.

Ein Trauerzug vom Griesplatz bis zum Hauptplatz hat sich knapp nach 17.05 Uhr in Richtung Augartenbrücke in Bewegung gesetzt. An dem Marsch über rund 1.640 Meter beteiligten sich bei Temperaturen von rund 25 Grad und leichtem Wind tausende Menschen, darunter auch die Spitzen von Stadt, Land und Republik. Beim Trauermarsch wurden rund 7.000 Teilnehmer gezählt, bei der Schlussgedenkfeier am Hauptplatz habe sich die Zahl laut Schätzungen der Polizei auf 12.000 erhöht.

foto: apa/erwin scheriau
Die politischen Spitzen bei der Trauerfeier in Graz.

Gegen 17.00 Uhr waren die Spitzen der Regierung, Bundespräsident Heinz Fischer und das Nationalratspräsidium in der Zweiglgasse eingetroffen. Fischer wurde von Verteidigungsminister Gerald Klug willkommen geheißen, der als erster eingetroffen war. Die Organisatoren teilten die Trauergemeinde in mehrere Blöcke ein – der erste Block umfasste Politik sowie Vertreter verschiedener Organisationen.

Über 300 Polizisten, die Ordnungswache, die Feuerwehr und Rettungskräfte standen ebenfalls in großer Zahl bereit. Polizeieinheiten waren aus Niederösterreich, dem Burgenland und Oberösterreich zugezogen worden

Marsch passierte Schauplätze der Amokfahrt

Bei der Amokfahrt eines 26-jährigen Familienvaters wurden drei Menschen getötet und 36 zum Teil schwerst verletzt. In der Zweiglgasse war ein 28-Jähriger getötet worden, seine 25-jährige Ehefrau wurde schwer verletzt. Hier hatte der Mann auch den zufällig anwesenden Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl mit seinem Wagen anvisiert, dieser und ein weiterer Passant konnten sich retten. Nagl war ebenfalls unter den stillen Menschen im Trauerzug. Menschen blickten aus den Fenstern hinab, stille Zaungäste des Gedenkens.

In der Grazbachgasse hatte der Amokfahrer gestoppt und mit einem Messer ein junges Paar attackiert, das dort gerade aus einem Geschäft kam. Dabei war der Mann schwer, seine Freundin leicht verletzt worden. Dann bewegte sich der Zug langsam über die Wienlandgasse zum Joanneumring und über das Eiserne Tor in die Herrengasse. Nach etwa einer Stunde war der Hauptplatz erreicht.

foto: apa/scheriau

Die Veranstaltung stand unter dem Motto "stilles Gedenken": In der Tat waren in sonst belebten Straßenzügen nur die Schritte der Marschteilnehmer zu hören.

Aushänge, um auf Kerzen zu verzichten

Nach dem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche hätte es eigentlich das traditionelle Sommerfest geben sollen, doch angesichts der Ereignisse lud man im Brunnenhof zu einer einfachen Agape. Damit wollte die Kirche "Raum und Möglichkeit bieten, aller Betroffenheit Ausdruck zu verleihen".

In der Innenstadt waren am Sonntag bereits die Kerzen von diversen Stellen am Hauptplatz und in der Herrengasse weggeräumt und zur Stadtpfarrkirche gebracht worden. Dies wurde auch auf entsprechenden Aushängen der Stadt mitgeteilt und um Verständnis ersucht – verbunden mit der Bitte, keine Kerzen mehr aufzustellen. Ein Lichtermeer gab es nur noch an den jenen Stellen, wo die drei Opfer gestorben waren – in der Zweiglgasse und in der Herrengasse vor der Kirche und einer Bank Austria-Filiale.

foto: colette schmidt

Am Hauptplatz und am Eisernen Tor waren am Sonntagvormittag bereits die Aufbauarbeiten für die Bühne und die Videowalls im Gange. Hausbewohner um die Route des Trauermarsches waren mit Zetteln an den Toreingängen informiert worden, dass ab 12.00 aus Sicherheitsgründen kein Fahrzeugverkehr mehr möglich sei.

Trauermarsch am Nachmittag

Ebenfalls Teilnehmer der Gedenkveranstaltung waren Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Ministerin Sophie Karmasin (ÖVP) und Klubobmann Reinhold Lopatka (ÖVP), selbst ein Steirer, teil, weiters LHStv. Michael Schickhofer (SPÖ) und die ganze Landes- und Stadtregierung. Dazu kommen die Nationalratspräsidenten Doris Bures (SPÖ) und Karlheinz Kopf (ÖVP). Grünen-Chefin Eva Glawischnig, EU-Abgeordnete Angelika Mlinar (Neos) sowie Vertreter der KPÖ und der FPÖ und der dritte steirische Landtagspräsident Gerhard Kurzmann (FPÖ) waren ebenfalls vor Ort.

foto: colette schmidt

Der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, der evangelische Superintendent Hermann Miklas, Ali Kurtgöz von der Islamischen Glaubensgemeinschaft und Schlomo Hofmeister als Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde werden einen gemeinsam erarbeiteten Text verlesen. (APA, 28.6.2015)

  • Bundeskanzler Faymann auf der Videowall.
    foto: colette schmidt

    Bundeskanzler Faymann auf der Videowall.

  • Der Trauerzug nach der Amokfahrt in Graz am Sonntag.
    foto: apa/erwin scheriau

    Der Trauerzug nach der Amokfahrt in Graz am Sonntag.

Share if you care.